Wolf in Schleswig-Holstein

Der Wolf GW1430m hat im November und Dezember 2019 in Dith-marschen großen Schaden angerichtet. Laut offizieller Rissstatistik des MELUND wurden bei 20 Wolfsübergriffen 74 Schafe direkt getötet bzw. mussten eingeschläfert werden. In der Statistik wird nicht erwähnt, welche schlimmen Folgen ein potentieller Wolfsangriff auch noch haben kann. Bei einem Vorfall wurden die Schafe auf die Gleise der angrenzenden Bahn getrieben, die dadurch nicht weiter fahren konnte. Bei einem anderen Vorfall liefen die Schafe in Panik auf die Straße, es kam zu einem Auto-unfall bei dem zum Glück keine Personen zu Schaden kamen. Die Schäfer vor Ort haben gemeinschaftlich versucht so viele wolfsabwei-sende Zäune zu errichten, wie es ging. Die meisten Schafe wurden aller-dings nach Hause gefahren. Für Probleme sorgte in einigen Fällen die Frage, wann ein Wolfszaun als wolfssicher gilt, z.B. wenn ein Ast im nächtlichen Sturm auf den Zaun gefallen ist.

Dies waren Fragen, die auch auf einer von Friedrichskooger Schäfern organisierten Informationsveranstaltung Mitte Dezember in die Gaststätte „Zur Stöpe“ mit dem Rissgutachter Stefan Weiel, Swantje Ulbrich vom Kieler Landwirtschaftsministerium (Melund) und Rissgutachter Wolfgang Pohlmann gestellt wurden. Bei einem großen Teil der Fragen ging es aber auch um das überarbeitete Antragsverfahren zur Förderung wolfsabwei-sender Zäune beim MELUND/LLUR. Dabei wurde auf ein System umgestellt, mit dem der Förderbetrag pauschal aus der Anzahl der zu zäunenden Schafe oder Ziegen errechnet wird. Die Nutztierhalter können selbst entscheiden, welchen der vom Land als wolfsabweisend anerkannten Zauntypen sie mit den bewilligten Mittel errichten. Dabei gilt aber eine Zweckbindungsfrist von 5 Jahren und die Zäune sind vom Zuwendungsempfänger pfleglich zu behandeln und ordnungsgemäß zu unterhalten, d.h. der Schäfer, der durch diese Förderung Herdenschutz-zäune anschafft, muss alle seine Schafe über einen Zeitraum von 5 Jahren wolfssicher einzäunen. Für große Schäfereien besteht die Möglich-keit auch nur einen Teilantrag zu stellen. Dabei hat der Tierhalter die Möglichkeit nur einen Teil der im jeweiligen Wolfspräventionsgebiet gehaltenen Schafe durch wolfsabweisende Zäune zu schützen und dafür auch nur einen Teilantrag auf Zuwendung zu stellen. Dieser Teilantrag muss mind. 25% seiner Tiere einbeziehen. Der Tierhalter muss dann 5 Jahre sicherstellen, dass alle in den Antrag einbezogenen Nutztiere wolfsabweisend eingezäunt sind. Bei den restlichen Tieren muss nicht wolfsabweisend eingezäunt werden, im Falle eines Wolfsrisses bei diesen „ungeschützten“ Tieren wird dann aber auch nicht entschädigt. Die Geschäftsführerin des Landesverbandes Schleswig-Holsteinischer Schaf- und Ziegenzüchter stellte klar, dass der Ursprungsgedanke dieses Teil-antrages war, alle gerissenen Schafe – auch die auf den nicht wolfssicher eingezäunten Flächen - zu entschädigen, auch wenn nur 25 % der Flächen eingezäunt sind. Dies wäre eine Anerkennung der besonderen Bedingungen in Schleswig-Holstein gewesen, die es den meisten Betrieben aus arbeitswirtschaftlichen Gründen nicht erlaubt alle Tiere wolfsabweisend zu zäunen .

Es wurde weiterhin nachgefragt, wer die Zäune kontrolliere und was passiere, wenn ein Herdenschutzzaun Mängel aufweise. Swantje Ulbrich entgegnet, man könne dies pauschal nicht sagen, die Summe müsse schlimmstenfalls zurückgezahlt werden. Es handle sich immerhin um öffentliche Gelder. Das Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und Ländliche Räume (LLUR) werde kontrollieren. Mit dem Geld müssten die Weidetierhalter dann fünf Jahre auskommen. Die Frage, ob aus der gezahlten Summe auch Rücklagen für den Unterhalt der Zäune gebildet werden müssen, da diese zum Teil einem hohen Verschleiß unterliegen, blieb ohne konkrete Antwort. Unklar blieb auch, wie die Schutzzäune bei Frost beziehungsweise gefrorenen Böden aufgestellt werden sollen. Auch die Vereinbarkeit von Zäunen und Umweltschutz bewegte die anwesen-den Weidetierhalter: Mit den Zäunen stelle man tonnenweise Plastik in die Landschaft und die kilometerlangen Zäune beeinträchtigen das Wild, das vom Wolf getrieben wird und flüchtig ist. Die Zäune seien ein immenser Eingriff in die Natur. Die Frage, wer bei Schäden an den Zäunen zahle, sei ebenfalls nicht geklärt.

Nachdem die Risse nicht aufhielten, wurde am 19.12.19 eine Kundgebung in Friedrichskoog organisiert, bei der rund 250 Schäfer, Landwirte und Vertreter der Politik teilnahmen. Der Minister Jan Philipp Albrecht erklärte dabei, dass Schleswig-Holstein mit Brüssel im Austausch über die Regeln zur Entnahme von Problemwölfen im deichnahen Bereich stehe. Die EU-Kommission müsse sich damit auseinandersetzen, dass Schleswig-Holstein an der Westküste und an den Deichen eine wirkliche Problem-lage habe. Kurzfristige Lösungen hatte er leider nicht mit im Gepäck.

Der Wolf aus Dithmarschen ist mittlerweile offiziell verschwunden. Die Sorgen vor der nächsten Rissserie bleiben. Durch die Vorfälle in Dith-marschen haben sich neue, ganz praktische Schwierigkeiten ergeben, die mit dem MELUND besprochen werden müssen. Weiterhin müssen wir uns auf Landes-, Bundes- und EU-Ebene für langfristige Lösungen einsetzen. Der Landesverband konnte in den letzten Wochen zahlreiche Gespräche mit Bundestagsabgeordneten aus Schleswig-Holstein der unterschiedlichen Fraktionen führen, in dem der Wolf und die besonderen Probleme für die Schafhaltung in Schleswig-Holstein erklärt und diskutiert wurden. Die meisten dieser Gespräche haben wir auf Schafbetrieben geführt, um die Situation bei den Schafhaltern und die Schwierigkeiten möglichst eindrucksvoll vor Ort zu zeigen. Der Landesverband bedankt sich bei den Betrieben und Ihren Familien für die Organisation, die Gastfreundschaft und vor allem für die Zeit, die sie dafür aufgebracht haben!

Neues vom RT Wolf

Das Thema Wolf prägt derzeit, insbesondere im ländlichen Raum, die politische Debatte in Schleswig-Holstein. Mit Erteilung einer Genehmi­gung zur Entnahme des Problemwolfs in Pinne­berg und fast täglichen Wolfsangriffen auf Schafe in Dithmarschen, hat die Diskussion jüngst einen neuen Höhepunkt erreicht. Das Land ist daraufhin tätig geworden und hat die Kreise Segeberg, Pinneberg, Steinburg und Dithmarschen zu sog. Wolfspräventionsgebieten erklärt.

Was das für die Tierhalter bedeutet, wurde uns am Freitag, den 15.02.2019, beim Runden Tisch „Wolf“ erklärt.

Es gibt verschiedene Gründe, ein Wolfpräventionsgebiet auszuweisen:

1.) Residente Wölfe: Wölfe die sich für mind. 6 Monate in einer Region aufhalten.

2.) Residente Wolfspaare

3.) Wolfsrudel

4.) Rissserien: Wölfe die (noch) nicht resident sind, aber offensichtlich dazu neigen, vorrangig Nutztiere zu erbeuten. Kriterium: Wölfe, die in einer Region innerhalb von 10 Tagen mehr als 6 Mal Nutztiere erbeuten.

Hintergrund hierfür ist wiederrum die Landesrichtlinie zur Entschädigung von Wolfsschäden, die bereits existiert und nunmehr zum 15. März geändert werden soll. Schäden durch Wolfsrisse sollen demnach zu 100 % entschädigt werden, sofern die betroffenen Schäfer bzw. sonstigen Tierhalter zumutbare Präventionsmaßnahmen, wie insbesondere das Aufstellen der vom Land kostenlos zur Verfügung gestellten Zäune, ergriffen haben.

In den o.g. Wolfspräventionsgebieten werden folgende Herdenschutz­maßnahmen empfohlen:

- Flexinetz: Höhe 1,05 -1,08 m. Stromspannung mind. 3.500 V in allen stromführenden Zaunteilen.

- Litzenzäune: Höhe 1,0 m, Litzenzahl 4 (1. Litze nicht mehr als 20 cm vom Boden entfernt, die restlichen 3 Litzen auf die verbleibende Zaunhöhe verteilt. Stromspannung mind. 3.500 V in allen stromführenden Zaunteilen.

- Festzäune: Sind Nutztiere durch einen Festzaun gesichert, beispiels­weise durch einen Wild- oder Knotengeflechtzaun, ist es wichtig, dass der Zaun eine Mindesthöhe von 120 cm vorhält, einen guten Bodenschluss hat und intakt ist. Um einen Festzaun wolfssicher zu gestalten ist es wichtig, diesen mit einem Untergrabeschutz zu versehen. Hierfür gibt es drei praktikable Möglichkeiten:

  • Eine oder zwei stromführende Drahtlitzen (mind. 3000V, besser 5000V) werden in 20 cm Abstand zum Boden mit Hilfe von Ringisolatoren (Stiellänge 10 cm) an der Außenseite des Zaunes angebracht.

  • Das Knotengeflecht wird mit Bindedraht am stehenden Zaun verbunden und in 80-100 cm Breite nach außen flach am Boden ausgelegt und mit Erdankern befestigt.

  • Bei Neuzäunungen kann der Zaun 40-50 cm tief in den Boden gesetzt werden. - Zaunhöhen von 1,20 gemäß BfN/DBBW- Empfehlungen werden ebenfalls finanziell gefördert.

Diese Herdenschutzmaßnahmen werden zu 100 % gefördert. Dabei werden die Anträge von Schaf- und Ziegenhaltern nach unterschiedlichen Kriterien unterschiedlich schnell berücksichtigt.

Priorität 1: - Schafhalter mit 500 Mutterschafen und mehr

- Herdbuchzüchter

- Schafhalter, die auf bestimmten Flächen von einem Wolfsübergriff direkt betroffen sind.

Priorität 2: - Schafhalter mit 100 bis 499 Mutterschafen

Priorität 3: - Schafhalter mit 1 bis 99 Mutterschafen

Alle Schafhalter in den Wolfspräventionsgebieten, egal unter welche Priorität sie fallen, müssen einen Antrag stellen, um bei einem Wolfsriss entschädigt zu werden. Je nach Prioritätsstufe dauert die Lieferung des wolfssicheren Zaunes unterschiedlich lang (es werden also erst die Schafhalter mit der Prirorität 1 abgearbeitet, dann 2 usw.). Eine Entschädi­gung wird aber in dem Moment bezahlt, wenn der Antrag beim MELUND eingegangen ist.

In den Gebieten, die zur Zeit nicht als Wolfspräventionsgebiete ernannt wurden, gelten die bisherigen Regelungen zur Einzäunung und Entschädigung.

Von Seiten des Schafzüchterverbandes wurde mit großem Nachdruck darauf hingewiesen, dass das Aufstellen der Zäune für die Betriebe schlicht nicht leistbar ist. Es muss daher auch zwingend eine Förderung der Arbeitskraft, um diese Aufgabe zu bewältigen, erfolgen. Von Seiten der Behördenvertreter wurde mitgeteilt, dass der rechtliche Rahmen dies angeblich nicht hergeben würde. Die Schäfer müssten einen substan­ziellen Eigenbeitrag zur Wolfsprävention leisten. Dies schreibe das Europa­recht vor. Die Eigenleistung würde insofern in der Arbeitsleistung beim Aufstellen und Unterhalten der Zäune gesehen werden. Zwar gibt es Bestrebungen auf EU-Ebene durch eine Mutterschafprämie den Mehrauf­wand für das Aufstellen der Zäune monetär auszugleichen, diese Diskussionen befinden sich derzeit aber noch in einem frühen Stadium.

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