09.02.10

Ganzjährige Weidehaltung von Schafen in Schleswig-Holstein

Die ganzjährige Weidehaltung der Schafe sorgt vor allem in den Wintermonaten für Aufsehen. Viele fragen sich, ob die Haltung der Schafe draußen in der Kälte, im Regen oder im Schnee, noch tiergerecht sei.

Da die Bedingungen der Schafhaltung in Schleswig- Holstein sehr unterschiedlich sind, gibt es kein Patentrezept. Vielmehr müssen die Tiere selbst bei der Beurteilung im Vordergrund stehen, d.h. ob die Haltung der Tiere gut oder schlecht ist spiegelt sich auch am Verhalten der Tiere (Wachstum, Ruhe in der Herde etc.) wieder. Zudem müssen die Tiere immer über einen längeren Zeitraum betrachtet werden. Generelle Vorgaben sind aufgrund der individuellen Bedingungen, wie Standort, Beschaffenheit der Weide, Wetter, nicht möglich.

Die ganzjährige Weidehaltung von Schafen kommt den Bedürfnissen der Tiere weitgehend entgegen, benötigt daher keine kostenintensive Infrastruktur und fordert relativ wenig Arbeitsaufwand. Die Freilandhaltung bietet eine an Reizen reiche Umwelt und ermöglicht den Tieren eine weiträumige Bewegung und arteigene Verhaltensweisen auszuleben.

Das Schaf ist aufgrund seiner Wollbeschaffenheit und seiner Physiologie gut gegen Kälte geschützt. Das Wollvlies des Schafes vermindert mit zunehmender Länge der Wollhaare die Wärmeabgabe bei niedriger Umgebungstemperatur. Da die Luftzirkulation in der Wolle gering ist, verfügen Schafe über eine gute Wärmeisolierung. Sofern die Luftfeuchtigkeit gering ist, schützt das Vlies auch gegen hohe Außentemperaturen. Die Talgdrüsen um die Haarfollikel sorgen für eine Einfettung des Wollhaares. Damit ist die Wolle wasserabweisend und das Schaf auch gegen Regen geschützt. Zudem verfügen Schafe über ein isolierendes Unterhautfettgewebe.

Kälte führt bei Tieren zu einer erhöhten Stoffwechselaktivität, um dadurch die eigene Körpertemperatur aufrecht zu halten. In Folge dessen steigt der Energie- und damit der Futterbedarf. Es gibt einige Punkte, die bei der ganzjährigen Weidehaltung zu beachten sind.

Die Haltungsbedingungen der Tiere dürfen nicht kurzfristig umgestellt werden. Die Tiere müssen sich an Witterungsbedingungen anpassen können. Schafe sollten daher bei ganzjähriger Weidehaltung spätestens ab Herbst draußen gehalten werden, um ihre körpereigene Thermoregulation allmählich an die sinkenden Temperaturen anpassen zu können.

Für die Winterweidehaltung ist nicht jeder Standort unbedingt geeignet. Die Weidezuteilung sollte so gestaltet werden, dass die Tiere in den kältesten Monaten auf Weiden laufen, die über natürlichen Witterungsschutz, z.B. Knicks, Erdwälle, Baumgruppen verfügen. An Deichen haben die Schafe die Möglichkeit auf der windgeschützten Seite zu liegen. Transportanhänger mit eingestreuter Liegefläche, ein Iglu oder eine Kombination aus natürlichem Schutz und z. B. Strohballen können als einfacher künstlicher Witterungsschutz dienen. Ob dieses nötig ist, hängt u.a. vom Zustand der Herde, der Wettersituation, den Terrainverhältnissen und der Geländestruktur ab. Ein künstlicher Unterstand ist unter schleswig-holsteinischen Bedingungen also nicht zwingend erforderlich. Klimafaktoren können sich innerhalb kurzer Distanzen wesentlich ändern. Einzelne nahe gelegene Standorte können z.B. ganz unterschiedlich vom Wind beeinflusst werden. Der Gesundheits- und Ernährungszustand der Schafe muss gut sein, dann verfügen sie über das erforderliche Anpassungsvermögen, um auch extreme Wetterlagen im Freien zu überstehen. Schafe produzieren im Winter mehr Wärme und müssen für den gesteigerten Energiebedarf mehr Futter aufnehmen. Daher muss auf einen ausreichenden Grasbestand geachtet werden. Wird das Futterangebot knapp, sollten die Tiere auf eine andere Weide verbracht werden. Selbst unter einer relativ hohen Schneedecke finden Schafe genügend Futter, wenn sie mit Scharren das Gras erreichen können. Ein durch Harst gebildeter Deckel kann dies aber erschweren. Unter sehr feuchten Wetterbedingungen und länger dauernder Nutzung besteht die Gefahr von Morastbildung. Besonders zu beachten sind dabei Flächen, die die Tiere oft benutzen.

Tiere und Weide sind täglich zu überprüfen. Das Wohlbefinden der Tiere und die Funktionsfähigkeit der Versorgungseinrichtungen müssen täglich kontrolliert werden. Diese Kontrollen sollte der Schafhalter unbedingt dokumentieren, da dies CC- relevant ist. Auch der Grasbestand muss dabei beobachtet werden. Bei Bedarf sollte zugefüttert werden, um auch wirtschaftliche Einbußen zu verhindern.

Alle Tiere sind täglich ihrem Bedarf entsprechend mit Wasser ausreichender Qualität zu versorgen. Bei Schnee kann der Wasserbedarf der Tiere durch den Schnee selbst und durch den Wassergehalt des Futters, natürlich abhängig vom Futterzustand und -angebot, gedeckt sein.

Vielen Spaziergängern ist die Physiologie und das Verhalten der Schafe nicht bekannt und sie befürchten deshalb, dass die Schafe leiden. Um Missverständnisse zu vermeiden sollte das Gespräch mit dem Schafhalter gesucht werden. Es darf nicht vergessen werden, dass die Schäfer vom guten Gesundheitszustand ihrer Tiere abhängig sind und diese allein schon aus wirtschaftlichem Interesse so gut wie möglich halten. Leider gibt es aber auch „schwarze Schafe“, die unbedingt zu belehren sind , um den Ruf der Schäfer nicht zu ruinieren.