09.02.10

Letzter Stand zur Elektronischen Kennzeichnung von Schafen und Ziegen

Die EU-Verwaltung beharrt noch immer auf der verpflichtenden Einführung der elektronischen Kennzeichnung für Schafe und Ziegen ab dem 01. Januar 2010. Die Forderung der Schafhalter nach einem Verzicht auf die verpflichtende Einführung der „Transpondertechnik“ und die Rückkehr zur bisherigen Kennzeichnung bleibt jedoch bestehen.

Diese Forderung wird inzwischen von weiten Teilen der Fachberatung, von Veterinärbehörden und auch von Vertretern des zuständigen Bundesministeriums unterstützt. Auch von der Agrarministerkonferenz in Eisleben/Sachsen-Anhalt wurde der Beschluss gefasst, dass sich das BMELV auf EU- Ebene für eine Änderung der Verordnung dahingehend einsetzen soll, " dass die Einführung einer obligatorischen elektronischen Einzeltierkennzeichnung auf freiwilliger Basis vorgesehen wird". In Eisleben waren erneut viele Schafhalter aus nahezu allen Bundesländern zusammengekommen, um gegen die verpflichtende Einführung der elektronischen Kennzeichnung zu kämpfen. Die Aktionen der Schäfer und Schafhalter in Eisleben, Luxemburg und beim Bauerntag in Stuttgart haben maßgeblich dazu beigetragen, dass die Agrarminister diesen Beschluss gefasst haben. Damit haben sich die Bundesländer hinter die Forderung von VDL und BDZ gestellt. Nun liegt es am Bundeslandwirtschaftsministerium, wie diese Beschlussfassung in Brüssel bestmöglich umgesetzt wird.

Bundesministerin Aigner vermittelte zwar erneut keine große Hoffnung auf eine Änderung der EU- Verordnung. Gleichwohl sprachen sich die Vertreter des BMELV sowie auch der Landesministerien dafür aus, bei der nationalen Umsetzung Hilfestellungen bzw. Erleichterungen zu prüfen.

Am 18. Dezember 2009 findet eine Bundesratssitzung statt, bei der dieses Thema noch einmal diskutiert werden soll. Dort wird schlussendlich entschieden, wie die neuen Regelungen der Viehverkehrsverordnung umgesetzt werden. Da die Zeit der Ohrmarkenbestellung näherrückt, und die Fragen der Schafhalter immer drängender werden, hier nun der aktuelle Stand bei der elektronischen Kennzeichnung von Schafen und Ziegen.

Sollte die Viehverkehrsverordnung nicht bis zum 1.1.2010 geändert sein, so gelten die Regelungen der EU- Verordnung. Dies bedeutet für Schaf-und Ziegenhalter in Schleswig-Holstein im einzelnen folgendes:

Alle Lämmer, die nach dem 1.1.2010 geboren werden, müssen vor dem Verlassen des Betriebes oder spätestens im Alter von 9 Monaten mit einer eindeutigen Einzeltierkennzeichnung versehen werden. Dabei gilt für:

a) Lämmer, die in Deutschland geschlachtet werden:
Kennzeichnung wie bisher mit 2 identischen Ohrmarken mit Einzeltierkennzeichnung vor dem Transport der Tiere bzw. ab dem Alter von 9 Monaten

b) Lämmer, die nicht in Deutschland vermarktet werden,
Kennzeichnung mit einer individuellen Ohrmarke und einem elektronischen Kennzeichen (= elektronische Ohrmarke oder Bolus) vor dem Transport der Tiere bzw. ab dem Alter von 9 Monaten

c) Lämmer mit einem Alter von über 12 Monaten
Kennzeichnung mit einer individuellen Ohrmarke und einem elektronischen Kennzeichen (= elektronische Ohrmarke oder Bolus)


Tiere, die mit dem zur Zeit noch gültigen System gekennzeichnet sind, müssen ab 2010 nicht nachträglich mit Transponder ausgestattet werden.

Möglichkeiten der Elektronischen Kennzeichnung.

a) Ohrmarke mit Transponder + eine individuell beschriftete Ohrmarke

Von den zwei identischen Ohrmarken (gleicher 14-stelliger Code), wie sie in Zukunft benutzt werden, enthält nur eine einen Transponder. Der elektronische Speicher ist in der Ohrmarke integriert. Sie werden auch mit einer Zange am Ohr angebracht. Mit einem Preis um die 2,00 € ist diese elektronische Kennzeichnung die preiswerteste Lösung.

Die Transponderohrmarke sollte nach den Empfehlungen der EU-Gremien im linken Ohr des Schafes platziert werden. Diese Vereinheitlichung ist wichtig für automatische, stationäre Leseeinrichtungen und das verzögerungsfreie Identifizieren von größeren Tiergruppen. Zum besseren Schutz gegen ein Ausreißen des Transponders wird das dickere Lochteil der Marke in die Ohrmuschel gesetzt, sodass das flache Dornteil außen sitzt.


b) Bolus + eine individuell beschriftete Ohrmarke

Pansenboli bestehen aus einer zylindrischen Keramikhülle. Im Inneren befindet sich ein in Glas eingegossener stabförmiger elektronischer Speicher. Der Bolus wird den Schafen über ein Eingabegerät (Bolusgeber) eingegeben und bleibt auf Grund des hohen Eigengewichtes dauerhaft im Pansen der Wiederkäuer liegen. Dafür muss der Pansen der Lämmer bereits entwickelt sein (mind. 15 kg Lebendgewicht). Die Kosten für einen Bolus mit passender Ohrmarke werden ca. 30 Cent höher sein als die elektronischen Ohrmarken.


c) Injektat bzw. Fußfesseln +einer individuell beschrifteten Ohrmarke

Für die Kennzeichnung von Schafen und Ziegen sind neben den Transponderohrmarken und Pansenboli ebenfalls Fesselbänder und Injektate in der Diskussion. Es bleibt allerdings abzuwarten, ob diese Möglichkeiten der Kennzeichnung zugelassen werden.


Eine Erleichterung für alle Schafhalter ist, dass das elektronische Einlesen der Daten nur an kritischen Kontrollpunkten (z.B. Schlachtbetrieben, Groß-Märkten) erfolgen soll . Damit würde das Einlesen vom Schafhalter auf den Schlachtbetrieb verlagert.

Falls dies so umgesetzt wird, dürfte das bedeuten, dass die Schafhalter nicht dazu verpflichtet werden, technisches Gerät zum Lesen der Transponder anzuschaffen.

Diese Nachricht dürfte zunächst vor allem Halter von kleinen Schafbeständen freuen, bei denen die Anschaffung der entsprechenden Lesetechnik unverhältnismäßig hohe Kosten verursachen würde. Einfachste Transponderlesegeräte kosten zur Zeit mindestens 150,-€. Doch diese einfachsten Leser mit geringer Lesereichweite zeigen lediglich die Nummer des erkannten Transponders an und bieten keine Möglichkeit, die gelesenen Nummerncodes elektronisch weiterzuverarbeiten.

Wer mit Hilfe der elektronischen Tierkennzeichnung seine Bestandsdaten per EDV bearbeiten will, der braucht ein Lesegerät, das eine integrierte Datenverarbeitung ermöglicht oder zumindest eine Übertragung der Daten z.B. an den Bürocomputer ermöglicht. Der Computer muss dann selbstverständlich über eine geeignete Verarbeitungssoftware verfügen. Solche Ausrüstungen kosten dann schon 1500,-€ und mehr. Dazu kommt eventuell noch ein Servicevertrag für die Pflege und Weiterentwicklung der Software mit regelmäßig anfallenden Wartungspauschalen. Wer die neue Technik in automatischen Wiege- und Sortiereinrichtungen nutzen möchte, der muss viele tausend Euro investieren. Wirtschaftlich sinnvoll kann das nur in großen Schafhaltungen sein.

Die "Nachrüstung" mit einem elektronischen Kennzeichen ist nur mit einem Boli möglich, da aus tierschutzrechtlicher Sicht das Entfernen von Ohrmarken nicht zulässig ist. Beispiel: Die Tiere sind mit den "normalen" Ohrmarken ohne Chip gekennzeichnet, weil sie in Deutschland geschlachtet werden sollten. Entscheidet der Halter, die Tiere nun doch in der Herde als Mutterschafe zu behalten, muß er diese Tiere mit einem passenden Bolus als elektronische Kennzeichnung versehen. Dieser Bolus muss die gleiche individuelle Nummer haben wie die Ohrmarken. Die Nachbestellung wird aufgrund der seperaten Herstellung sowie der Versandkosten entsprechend kostenintensiv.

Bei ausgerissenen Ohrmarken gilt weiterhin, dass die Ohrmarken (mit oder ohne Chip) nachbestellt werden können (gilt für Herdbuchtiere)! Gebrauchsschäfer dürfen auch weiterhin die Tiere umkennzeichnen, müssen dies aber wie gewohnt im Bestandsregister vermerken.


In der Praxis bedeutet dies, der Schafhalter muss relativ genau wissen, wie er seine Schafe vermarkten soll (Zucht, Schlachtung in Deutschland oder Schlachtung im Ausland). Bei großen Herden lohnt es sich abzuwägen, welche Ohrmarken eingezogen werden müssen.

In kleineren Zuchtbetrieben ist es wohl sinniger, die Tiere gleich mit einer elektronischen Ohrmarke zu versehen.

Die LKD als beauftragte Stelle für die Ausgabe von Ohrmarken wird zu Beginn des Jahres 2010 die unterschiedlichen Kennzeichen anbieten und ausgeben. Die bisher ausgegebenen Ohrmarken sind weiterhin gültig und können zur Kennzeichnung der Tiere, die in Deutschland geschlachtet werden, eingesetzt werden.

Die Frage der Kostenübernahme durch den Tierseuchenfonds im Rahmen der Beihilferegelung ist noch nicht abschließend geklärt.

Ob und wie die Kosten für die Kennzeichnung vom Tierseuchenfonds übernommen werden, ist zur Zeit noch nicht entschieden. Wir werden Sie hierüber auch weiterhin auf dem laufenden halten.

Auch wenn die neue Kennzeichnung am Anfang für viel Verwirrung und leider auch zu höheren Kosten führen wird, müssen wir das beste daraus machen. Es wäre falsch, sich der Transpondertechnik mit ihren vielen Varianten gänzlich zu verschließen, nicht zuletzt vor dem Hintergrund, dass wir dieser innovativen Technik schon heute in vielen Lebensbereichen begegnen. Die Möglichkeit einer Nutzung der Transpondertechnik in der Schafhaltung, auf freiwilliger Basis, alternativ zur konventionellen Kennzeichnung, würde von vielen Schafhaltern toleriert.