14.04.10

Blauzungenimpfung 2010

Die Impfpflicht gegen die Blauzungenkrankheit ist ab 2010 aufgehoben. Demnach wird es den Schaf- Ziegen- und Rinderbetrieben in Deutschland in diesem Jahr freistehen, ob sie ihre Tiere impfen lasen oder nicht. Es gibt viele Gründe für Schaf- und Ziegenhalter die Impfung auch weiterhin durchzuführen.
Situation in Schleswig-Holstein:
Seit dem ersten Auftreten der Blauzungenkrankheit in Deutschland hat sich die Risikobetrachtung nicht wesentlich geändert. Mit einer steigenden Zahl von Wiederkäuern in der Fläche nimmt das Verbreitungsrisiko exponentiell zu. Nach wie vor ist die Dichte der blauzungengefährdeten Tiere in Schleswig-Holstein mit 91 Tieren je km2 in Deutschland mit Abstand am höchsten (Vergleichszahl Niedersachsen: 58 Tiere je km2, Bayern: 22 Tiere je km2).
Differenziert man nach Kreisen innerhalb des Landes, so kommt man für den Westküstenbereich auf noch weit höhere Werte (Kr. Steinburg: 133 T./ km2, Kr. Dithmarschen: 152 T./ km2, Kr. Nordfriesland: 163 T./ km2). Das Risiko ist also unverändert hoch.
In den Jahren 2007 und 2008 ist Schleswig-Holstein im Vergleich zum Bundesgebiet mit einem blauen Auge davongekommen. Zunächst war sicherlich günstig, dass infizierte Gnitzen erst im frühen Herbst 2007 im Land erste Infektionen setzen konnten. Die Ausbreitung – gemessen
an den Feststellungen – blieb daher zunächst gering und betraf nur Landesteile südlich des Nord-Ostsee-Kanals. Als 2008 in dieser günstigen Ausgangslage erstmals BTV8-Impfstoff zur Verfügung stand, konnte trotz der späten Impfstoffverfügbarkeit (Ende Mai / Anfang Juni) die Häufigkeit der Feststellungen erneut deutlich unter den Zahlen des Bundesdurchschnitts gehalten werden. Dass dies trotz der bundesweit höchsten Dichte BT-empfänglicher Tiere in Schleswig-Holstein gelang, unterstreicht die Wirksamkeit der Impfung. Zwar verendeten in diesem Jahr 15 Tiere an der Erkrankung, aber im Vergleich zu den Zahlen für Deutschland (340 Tiere) ist diese Verlustquote unter Berücksichtigung der hier gehaltenen Tierzahl eher gering.

Anders stellt sich die Situation für das Jahr 2009 dar: Zwar haben sich die Fallzahlen gegenüber 2008 (absolut wie relativ betrachtet) mehr als halbiert. Die Häufigkeit der Feststellungen der Blauzungenkrankheit bei schleswig-holsteinischen Rindern, Schafen und Ziegen liegt aber um ein Vielfaches über dem Bundesdurchschnitt. Dies ist ein deutlicher Hinweis
dafür, dass sich der Erkrankungsverlauf mittlerweile negativ von dem übrigen Geschehen in Deutschland unterscheidet. Hierfür einige mögliche Auslöser:

  • die hohe Dichte empfänglicher Tiere begünstigt den Erhalt der Infektion in der Fläche,
  • das Virus hat sich zwischenzeitlich flächendeckend in Schleswig-Holstein verbreitet und
  • gemessen daran war der Immunschutz in Schleswig-Holstein im Jahre 2009 im Bundesvergleich unterdurchschnittlich.

Aus den genannten Gründen ist davon auszugehen, dass sich diese Tendenz grundsätzlich fortsetzt. Tierverluste und Produktionsverluste durch die Blauzungenkrankheit werden absehbar zum Betriebsrisiko aller Halter für Rinder, Schafe und Ziegen gehören. In dieser Situation wird dringend geraten, diese Tiere weiterhin zuverlässig zu impfen. Ausschlaggebend sind hier insbesondere folgende Gesichtspunkte:

  • zugelassene BTV8-Impfstoffe sind verfügbar

Mit Jahresbeginn 2010 stehen zugelassene BTV8- Impfstoffe zur     Verfügung. Diese sind durch ihren Einsatz in den Jahren 2008 und     2009 auf breiter Basis im Feld erprobt und haben ihre Wirksamkeit und Verträglichkeit bewiesen. Sie können damit erstmals– wie andere Impfstoffe auch - unmittelbar vom Hoftierarzt bezogen und verwendet werden.

  • betriebliche Schäden vermeiden
  • Veränderungen im Tierbestand fördern die Infektion

Eine jährliche Remontierung des Tierstapels um ca. 40% ungeschützter Tiere bedeutet, dass sich die Infektionswahrscheinlichkeit exponentiell erhöht. Um das BT bedingte Schadensrisiko zu minimieren, sollten die Betriebe dringend darauf achten, dass die jeweils neu aufgestallten Tiere alsbald grundimmunisiert werden und dass der Impfschutz bei den übrigen Tieren des Bestandes aufgefrischt wird.

  • Handelswege offen halten

Die Verordnung (EG) Nr. 1266/2007 der Kommission regelt Bekämpfung, Überwachung und Beobachtung der Blauzungenkrankheit. Sie besitzt hierzu auch Regelungen, die sich auf das grenzüberschreitende Verbringen von Tieren in der Europäischen Gemeinschaft beziehen. Sie räumt den Mitgliedstaaten das Recht ein, für zu ihnen gebrachte Tiere den Nachweis zu fordern, dass sie wirksam gegen das BTV8 geimpft sind. Wenn ein Tier geimpft wird, dann ist dies vom Impftierarzt in der Datenbank HI-Tier zu vermerken. Ohne diesen Nachweis kann eine Vermarktung in einen anderen Mitgliedstaat in den allermeisten Fällen nicht erfolgen. Auch zahlreiche Drittstaaten fordern den Nachweis der Impfung entsprechend.


Der Bauernverband Schleswig-Holstein und der Bundesverband der praktizierenden Tierärzte veranstalteten im Februar zwei Informationsveranstaltungen für Landwirte und Tierärzte unter dem Thema „Blauzungenkrankheit- neue Herausforderungen in der Impfstrategie“. Hier einige wichtige Punkte aus den Vorträgen von Edda Riedel, Beratungsring für Schafhalter Schleswig-Holstein und Dr. Martin Heilemann, MLUR Kiel, die die Wichtigkeit der Impfung bestärken. Edda Riedel stellte die möglichen Schäden durch eine Blauzungeninfektion in einer Schafherde dar. Der angenommene Betrieb mit 800 Mutterschafen und 1.200 Lämmern hätte Impfkosten von 4.000 € zu tragen. Durch die von Riedel ermittelten Schäden, die durch Tierverluste, erhöhte Remontierung und Leistungsdepression sowohl in der Mast als auch in der Milchleistung eintreten, hätte dieser Beispielbetrieb Verluste von weit über 30.000 € hinzunehmen. Dabei sei der stark erhöhte Betreuungsaufwand noch nicht einmal arbeitskostenmäßig berücksichtigt. Wer also eine professionelle Schafhaltung betreibe, käme zur Existenzsicherung des Betriebes um eine Impfung nicht herum, so dass Fazit von Edda Riedel. Dr. Martin Heilemann berichtet, dass es den ersten Fall in Schleswig- Holstein im Oktober 2007 gegeben habe. Die 2008 einsetzende Impfung sei zwar spät, aber flächendeckend und sehr erfolgreich verlaufen. Im Jahr 2009 habe es insgesamt 142 Feststellungen, davon 9 Neuausbrüche gegeben. Leider seien davon 98 Feststellungen in Schleswig- Holstein getroffen worden. Man müsse daher zu Kenntnis nehmen, dass das BTV-8-Geschehen 2009 in Schleswig-Holstein vonstatten gegangen sei. Ohne Impfung seien ein Jahr nach der letzten Impfung 90 % der empfänglichen Tiere ungeschützt. Der Virus hat also Schleswig-Holstein auf breiter Front erreicht, einschließlich der Wildwiederkäuer. Er machte deutlich, dass eine Impfung der einzige Weg sei, um betriebliche Schäden zu verhindern. Er gehe davon aus, dass in Schleswig-Holstein 90-100 % der empfänglichen Tiere 2010 in Kontakt kommen, weil die BTV- Infektion sehr schnell verlaufe. Die Impfung sei auch unverzichtbar, um wichtige Handelswege offen zu halten. Dr. Heilemann ging auch ausführlich auf die Frage ein, warum der Staat angesichts dieser Situation die Impfverpflichtung aufgebe und in ein freiwilliges Verfahren umsteige. Dabei machte er darauf aufmerksam, dass der entscheidende Punkt sei, dass jetzt zugelassener Impfstoff zur Verfügung stehe, während dieses 2007, als die Entscheidung zur Einführung zur Einführung der Pflichtimpfung fiel, noch nicht der Fall gewesen sei. Daher habe man jetzt eine Situation, in der jeder Betriebsleiter selbst entscheiden könne, wie er den Schutz seines Bestandes handhaben wolle. Dr. Heilemann berichtete abschließend, dass der Tierseuchenfonds auch im Jahr 2010, jedoch zeitlich begrenzt bis zum 30.Juni, eine Beihilfe für den eingesetzten Impfstoff von 1,00 € pro geimpften Rind und 0,50 € pro geimpften Schaf gewähre.