30.06.10

Hirtenzug in Schleswig- Holstein

Der Hirtenzug, bei dem gegenwärtig Schäfer mit ihren Herden in ganz Deutschland unterwegs sind, hat am 23.06.2010 in Lauenburg an der Elbbrücke Halt gemacht. Hier übergab Klaus Seebürger den Hirtenstab an die Schäfermeisterin Heike Griem, die dann ihre 700-800 Schafe bis Scharnebeck (Niedersachsen) führte. Vor Ort war auch ein Infostand aufgebaut, an dem sich Interessierte über die Anliegen der Schäfer informieren konnten.

Mit dieser außergewöhnlichen Aktion wollen die deutschen Schafhalter auf die vielfältigen besonderen Leistungen der Schafhaltung, die Perspektiven dieser besonderen Art der Tierhaltung, aber auch auf Problembereiche aufmerksam machen. Der  „Hirtenzug“ ist am  5. Juni 2010 anlässlich des Umweltfestivals in Berlin gestartet und wird durch Deutschland sowie benachbarte Regionen Europas gehen. Unter dem Motto „Wir pflegen die Landschaft, die Sie lieben“ werden Wanderschäfer mit ihren Schafen durch die Bundesländer Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Schleswig- Holstein, Nordrhein-Westfalen sowie den angrenzenden Regionen der Niederlande und Belgien bis nach Rheinland-Pfalz ziehen.
Der Hirtenzug soll den Menschen erfahrbar machen, wie vielfältig der Nutzen der Schafe für die Gesellschaft ist. Er soll aber auch auf die Schwierigkeiten hinweisen, unter denen diese Leistungen erbracht werden. Es wird insgesamt neun Veranstaltungen auf diesem Weg geben. Herausragend werden der Auftakt in Berlin, der Besuch beim Europäischen Parlament in Brüssel und als Abschluss der Deutsche Grünlandtag in Trier sein. Alle anderen Veranstaltungen arbeiten einen eigenen Leistungsschwerpunkt auf. Alle Ergebnisse werden zum Abschluss gemeinsam präsentiert. Bereits im Vorfeld ist ein sehr großes Interesse der Medien zu verzeichnen. Darüber hinaus gibt es eine Vielzahl interessierter Organisationen und Einzelpersonen.

Das Ziel des Hirtenzuges
Die meisten Menschen mögen Schafe! Die meisten Menschen wissen aber nicht, was diese netten Tiere und ihr Schäfer tagein, tagaus für die Allgemeinheit leisten. Aus diesem Schattendasein müssen wir heraustreten, sollen auch unsere Kinder einen der ältesten Berufe der Welt fortführen können. Zu unser aller Wohl! Der Staffellauf der Wanderherden soll auf diese vielfältigen Leistungen für die Gesellschaft hinweisen. Der Nutzen, den Schafe und Ziegen für die Allgemeinheit erbringen, ist groß:

  • hochwertige Lebensmittel,
  • nachwachsende Rohstoffe,
  • schöne Landschaften,
  • Lebensräume für seltene Pflanzen und Tiere,
  • Schutz des Bodens vor Wind und Wasser,
  • Schutz des Trinkwassers vor Schadstoffen aus Luft und Regen,
  • Schutz der Luft durch CO2-Abbau und Sauerstoffproduktion
  • bis hin zu Arbeitsplätzen auf dem Land
  • und Attraktionen für Einheimische und Gäste

Die Liste wird lang. Für diese Leistungen wird der Steuerzahler auf Dauer nur dann Geld bereitstellen, wenn er weiß, was er davon hat.
Es gibt  zwei Bereiche, die uns Schäfer zum Aufgeben zwingen:
die Wirtschaftlichkeit
die Bürokratie.
In beiden Bereichen ist für die Schäfereien die Grenze des Machbaren erreicht.
Seit vielen Jahren laufen uns die Kosten weg, ohne dass wir unsere Preise erhöhen könnten. Mehr (oder sollten wir sagen: weniger) geht nicht mehr!
Werden z.B. Naturschutzflächen maschinell gepflegt, werden die weit höheren Kosten selbstverständlich bezahlt. Da käme niemand auf die Idee, Preise von vor 25 Jahren anzubieten.
Genauso dramatisch ist die Belastung durch Verwaltung und Kontrollen.
Auch in der Schafhaltung behindern sich Vorschriften gegenseitig oder verschlimmern den Zustand.
Bestes Beispiel: Die Einzeltierkennzeichnung. Dieses Bürokratie-Monster ist so kompliziert und unpraktikabel, dass viele Fehler wahrscheinlich werden. Kosten und Kontrollrisiken wachsen ins Uferlose. Die Schäfer bleiben dabei auf der Strecke.
In beiden Punkten brauchen wir schnelle Ergebnisse, keine Versprechungen.
Wir machen den Hirtenzug, um unseren Mitmenschen zu zeigen, was sie an uns haben, warum es sich für sie lohnt, in den Fortbestand der Schäfereien zu investieren.
Mit dem Hirtenzug wollen wir zeigen, dass das Preis-Leistungs-Verhältnis bei den Schafen und Ziegen konkurrenzlos günstig ist. Das selbst dann, wenn die Entlohnung für unsere Leistungen auf eine realistische Höhe angepasst wird.  Wir wollen zeigen, dass jeder von unserer Arbeit profitiert.
Am Deutschen Grünlandtag 2010 wird die Leistungsvielfalt wissenschaftlich untermauert, aber auch für die breite Öffentlichkeit sinnlich erfahrbar gemacht.

Deutscher Grünlandtag 2010
Der Hirtenzug findet im Zusammenhang mit dem „Deutschen Grünlandtag 2010“ am 16. und 17. Oktober 2010 in Trier statt, der unter dem Thema „Schaf- und Ziegenhaltung – Kulturerbe und Landschaftspflege – Produzent und Dienstleister für die Gesellschaft“ steht. Veranstalter des Deutschen Grünlandtages 2010 ist der Deutsche Grünlandverband mit Sitz in Berlin. Der im März 1991 gegründete Verband zur Förderung extensiver Grünlandwirtschaft e.V. und 1999 in Deutscher Grünlandverband e.V. umbenannte Verband arbeitet satzungsgemäß für die Förderung des Natur- und Umweltschutzes, insbesondere für die durch Grünland geprägten Kulturlandschaften. Grundlage seiner Tätigkeit sind dabei die im Bundesgesetz und in den Naturschutzgesetzen der Länder enthaltenen Aufgaben. Der Verband unterstützt wissenschaftliche Tätigkeit zum Landschafts- und Lebensraum Grünland im Sinne der Förderung des Naturschutzes und der Landschaftspflege und vermittelt die wissenschaftlichen Ergebnisse der Öffentlichkeit. Mitveranstalter ist der Berufsschäferausschuss in der Vereinigung Deutscher Landesschafzuchtverbände.

Tag des Wissens
Am Samstag, den 16. Oktober 2010 wird zu einzelnen Leistungsaspekten der aktuelle Stand der Wissenschaft dargestellt.
Tag der Sinne
Am Sonntag, dem 17. Oktober 2010, wird für eine breite Öffentlichkeit das gesamte Leistungsspektrum erlebbar gemacht. Mit dem Einzug der Schafherde auf das Gelände wird der Markt der Sinne eröffnet. Es wird viel zu Essen, Anzufassen, Auszuprobieren, zu Hören, nun ja - auch zu Riechen geben. Es wird Informationsstände von Umweltschutzorganisationen, singende Schäfer, Projekte von Schulklassen, viel Lammfleisch nach den unterschiedlichsten Rezepten, eine Rasseschau, viele Produkte aus Wolle, Leder und Fell und noch vieles mehr geben. Weitere Informationen folgen. Die geplante Route können Sie bereits jetzt im Internet einsehen unter www.stepmap.de/atlas.php , geben Sie dort den Suchbegriff „Hirtenzug“ ein. Nähere Informationen zum Hirtenzug ab dem 1. Juni 2010 auf der neuen Homepage www.hirtenzug.eu .