02.11.11

Erfolgreicher Landschaftag 2011 in Warder

Am Samstag, den 17. September 2011 fand der Landschaftag des Landesverbandes Schleswig-Holsteinischer Schafzüchter e.V. im Tierpark Arche Warder statt.

Beim Landschaftag werden Schafe und Böcke der unterschiedlichsten Landschafrassen ins Herdbuch aufgenommen bzw. gekört, d.h. die Tiere werden gewogen und anschließend von einer Kommission benotet. Danach sind sie offiziell als Zuchttiere zugelassen. Nach der Körung findet in Warder auch immer die Prämierung der besten Tiere statt. Dabei werden die Tiere, die bestimmte Leistungsanforderungen erfüllen, nochmals rangiert, der oder die beste seiner Altersgruppe erhält einen 1a-Preis, der zweite den 1b- Preis und so weiter. Am Ende wird der Rassesieger oder die Rassesiegerin ermittelt.
Daneben bietet der Landschaftag den Besuchern immer ein vielfältiges Rahmenprogramm, so dass sich ein Besuch immer lohnt. Und so hatten sich nicht nur die Züchter mit ihren Tieren an diesem Morgen aufgemacht, sondern auch zahlreiche Besucher wollten live bei diesem "Schaftreiben" dabei sein.
Das Team des Tierparks, allen voran Hardy Marienfeld und Inken Mohr, empfingen die Züchter und Besucher im herbstlich dekorierten Ambiente mit Kaffee und Brötchen zur morgendlichen Stärkung.
So war die Stimmung unter den Teilnehmern sehr gut und da die Sonne bald hervorkam, konnte die Körung mit bester Laune beginnen.
Insgesamt waren 60 Tiere der Rassen Graue und Weiße Gehörnte Heidschnucke, Skudden, Coburger Fuchsschaf, Rhönschaf, Quessant, Rauhwolliges Pommersches Landschaf, Bentheimer Landschaf, Walliser Landschaf sowie zum ersten Mal die Rasse Wensleydale Longwool aufgetrieben worden. Die Körkommission, bestehend aus Hans Michow Schröder, Hardy Marienfeld und Janine Bruser, hatte also alle Hände voll zu tun. Schon bei der Körung zeigte sich die sehr gute Qualität der aufgetriebenen Tiere, die in den Kategorien Bemuskelung, Wollqualität und äußere Erscheinung genau unter die Lupe genommen wurden.
Dann folgte die Prämierung. Den Anfang machten die Grauen Gehörnten Heidschnucken, eine alte Landschafrasse der Heidelandschaften mit nach hinten gebogenen Hörnern bei Mutterschafen und schneckenartigen Hörnern bei den Böcken. Hier wurde die Kat. Nr. 6, ein Mutterschaf aus der Zucht von Yvonne Loher- Rodde, Rullstorf und im Besitz von Astrid Holst, Wulfsmoor zur Rassesiegerin ernannt.
Bei den Weißen Gehörnten Heidschnucken gewann der Lammbock DE010210000321 aus der Zucht Wolf Müller, Hamburg diesen Titel. Die Weißen gehörnten Heidschnucken wurden in diesem Jahr durch eine kleine Sonderausstellung besonders hervorgehoben. Die Weiße Gehörnte Heidschnucke ist ein genügsames mischwolliges Landschaf und für die Beweidung von Heide- und Moorflächen besonders geeignet. Die Farbe ist weiß und ohne Abzeichen. Das mischwollige Vlies soll rein weiß und gleichmäßig ausgebildet sein. Das äußere Vlies besteht aus grobem Oberhaar, das innere Vlies aus feinerem, weichen Unterhaar. Kopf, Beine und der kurze Schwanz sollen unbewollt und weiß behaart sein.
Die Brunst ist saisonal und die Erstzulassung erfolgt im Alter von 10 – 18 Monaten, je nach Fütterungs- und Haltungsbedingungen. Sehr gute Muttereigenschaften und eine leichte Lammung sind weitere Kennzeichen dieser Rasse. Gezüchtet wird ein genügsames, widerstandsfähiges und zur Landschaftspflege besonders geeignetes Landschaf. Erwünscht ist ein fettarmer Schlachtkörper, der qualitativ hochwertiges Fleisch liefert. Durch korrekte Ausbildung von Fundament und Klauen wird eine gute Marschfähigkeit erreicht.

Die Skudde gehört zur Gruppe der kurzschwänzigen nordischen Heideschafe und kann mit einem weißen, braunen oder schwarzen Vlies auftreten. In Warder waren vier Vertreter dieser alten Rasse aufgetrieben. Am Ende konnte der Bock Kat. Nr. 15 aus der Zucht von Heide Voeltz und Norbert Westphal, Horst den Rassesieg für sich entscheiden.
Bei den Coburger Fuchsschafen war die Entscheidung für die Kommission besonders schwer. Der 1a Bock der Einjährigen Böcke war bei der Körung schon mit den Höchstnoten bewertet worden. Als Konkurrenz im Ring stand das Mutterschaf mit der Kat. Nr. 23. Im direkten Vergleich überzeugte das Schaf dann aber die Jury und wählte es zur Rassesiegerin. Beide Tiere kamen aus der Zucht von Frauke Wechselberg, Neutestorf. Die Coburger Fuchsschafe zeichnen sich besonders durch den goldenen bis rotbraunen Schimmer in der Wolle ("Goldenes Vlies") aus und werden vermehrt in der Landschaftspflege eingesetzt.
Auch die Rhönschafe, die besonders durch ihren typischen schwarzen Kopf und den weißen restlichen Körper auffallen, waren in diesem Jahr wieder mit ausgesprochen schönen Tieren vertreten. Hier wurde die Kat. Nr. 31, ein Mutterlamm aus der Zucht vom Gestüt Westerau zur Rassesiegerin erklärt.

Auch die kleinste Rasse Europas, die Quessant- Schafe, durfte an diesem Tag nicht fehlen. Der Lammbock Kat. Nr. 32 konkurrierte mit dem Mutterlamm Kat.Nr. 34, beide aus der Zucht von Horst Feddersen, Drelsdorf um den Titel. Die Kommission kürte den Bock, der am Morgen satte 17 kg auf die Waage gebracht hatte, zum Rassesieger.

Das Rauhwollige Pommersche Landschaf, ein mittelgroßes Schaf, welches ursprünglich aus den Küstengebieten der Ostsee stammt, erfreut sich auch in Schleswig-Holstein mittlerweile größter Beliebtheit. Und so führten gleich vier Züchter ihre schönsten männlichen und weiblichen Exemplare, aus jeder Altersklasse, der Jury vor. Besonders die beiden Jungzüchterinnen Jule und Karla Menze zeigten, wie man die Tiere richtig präsentiert und begeisterten so Publikum, Kommission und auch die anderen Züchter. Am Ende gewann dann auch das Mutterschaf Kat.Nr. 41, aus der Zucht von Anna Wegener, Dakendorf, das hervorragend von ihrer Tochter geführt wurde. An dieser Stelle aber auch ein großes Lob an alle anderen Züchter und Züchterinnen, die ihre Tiere sehr gut für die Ausstellung vorbereitet hatten und so ihre Tiere auch im Ring ausgezeichnet präsentiert haben. Auch die neuen Züchter im Landesverband, die zum ersten Mal mit Tieren in Warder waren, zeigten sich trotz leichter Nervosität sehr gut!
Und so ging auch die Prämierung wie geschmiert weiter. Bei den Bentheimer Landschafen, die sich neben der dunklen Zeichnung im Gesicht besonders durch den langen bewollten Schwanz auszeichnen, wurde das Mutterlamm mit der Kat. Nr. 49 aus der Zucht von Dr. Andrea Boldt-Lynsche, Panker zum Rassesieger erkoren.

Das Walliser Landschaf, auch Roux du Valais und früher Roux du Pays genannt, hat seine Ursprungsverbreitung im Oberwallis, wo es zeitweise fast ebenso häufig war wie das bekannte Walliser Schwarznasenschaf. Das es auch in Schleswig-Holstein erfolgreich gezüchtet werden kann bewies in Warder der Züchter Klaus-Jörg Brunkert, Gammelby. Er stellte einen einjährigen Bock sowie fünf Mutterschafe vor. Am Ende siegte das Mutterschaf mit der Kat.Nr. 53.

Zum Schluss kam es zu einer Premiere auf dem Landschaftag. Zum ersten Mal wurden Tiere der in Schleswig-Holstein neuen Rasse Wensleydale Longwool im Ring vorgestellt. Ursprünglich kommt diese Rasse aus England und zählt zu den Langwollschafen. Seine Wolle fällt in langen Locken fast bis zum Boden und enthält kein Grannenhaar. Sie ist glänzend und von hoher Qualität. Die Züchterin Birgit Weßelmann, Holm stellte vier weibliche und drei männliche Tiere vor, die fast alle aus englischen Zuchten stammen. Zum ersten Rassesieger wurde dann der Bock Seamous gewählt.

Allen Züchtern nochmals einen herzlichen Glückwunsch zu den hervorragenden Tieren, die die Kommission und die Zuschauer bewundern durften!

Übersicht der Prämierungsergebnisse in Warder

Auch das vielfältige Rahmenprogramm war einen Besuch des Landschaftages wert. Der Tierpark Arche Warder bot ein tolles Ambiente für die vielen unterschiedlichen Schafrassen und lockte zahlreiche Besucher an. Für das leibliche Wohl wurde Erbsensuppe und Wiener Wurst als Spezialität angeboten, zudem standen auch Kaffee und Kuchen sowie Kaltgetränke bereit. Auch über die Produkte des Schafes, über die hohe Kunst des Spinnens sowie über das Färben von Wolle konnten sich die Besucher informieren. Im Haus der Natur fanden sich wieder zahlreiche Handspinnerinnen ein, die den Besuchern zeigten, wie aus der Wolle ein Faden wird. Kleine Verkaufsstände für die verschiedensten Wollartikel und Verarbeitungsprodukte rundeten das bunte Bild ab. Frau Yvonne Loher- Rodde moderierte die Kör-und Prämierungsveranstaltung direkt am Ring und ging auf die Fragen der Zuschauer ein. Insgesamt war die Veranstaltung in Warder rundum gelungen! Dafür bedankt sich der Landesverband bei den Züchtern, den Prämierungsrichtern und allen Helfern und Teilnehmern! Ganz besonderer Dank gilt aber vor allem Hardy Marienfeld und dem Team vom Tierpark Arche Warder, für die Vorbereitungen und die viele Arbeit, ohne die der Tag nicht so erfolgreich verlaufen wäre!