02.11.11

Lehrfahrt nach Bayern „20 Minuten lockerer Fußmarsch!“

Die Lehrfahrt des Landesverbandes führte in diesem Jahr in das südlichste Bundesland nach Bayern. Trotz der langen Fahrt quer durch Deutschland hatten sich 40 Schafhalter zu dieser Reise angemeldet.

Und so ging es am Freitag, den 09.September los um das Land mit den Bergen und den Lederhosen zu erkunden. Und die Teilnehmer sollten nicht enttäuscht werden. Wie bestellt kam schon auf der Hintour die Sonne heraus und so konnte man nach einem regenreichen Sommer endlich gutes Wetter genießen. Auf der Fahrt zum ersten Hotel in Würzburg machten wir Halt bei der Schäferei Bonifaz Scherpf in Hammelburg. Auf zwei Betrieben werden hier 1000 Mutterschafe auf einem Truppenübungsplatz und Naturschutzflächen gehalten. Seit 1984 werden die Merino Landschafe gezüchtet und die Böcke regelmäßig über die bayerischen Auktionen verkauft. Nicht nur die gesamte Familie Scherpf empfing uns sehr herzlich sondern auch Herr Wolfgang Thomann, Fachberater Unterfranken. Er erklärte uns die einzelnen Regierungsbezirke Bayerns, die der Besucher auf keinen Fall durcheinander bringen sollte und bei einem guten Schluck Kaffee und Kuchen ging er auf die Schafhaltung in Unterfranken ausführlich ein. Auch hier machen die ausufernde Bürokratie und die schwierige Beschaffung von Weideflächen den Schäfern immer mehr Probleme, so dass ein Rückgang des Schafbestandes sowie der Schäfer zu vermelden ist
Nach der Stärkung und einem Betriebsrundgang ging es dann auf den Truppenübungsplatz Hammelburg. Dort begrüßte uns der Seniorchef und erzählte uns von seiner Arbeit. Auf dem Truppenübungsplatz, der schon seit Kaiserzeiten existiert und seitdem auch mit Schafen beweidet wird, werden etwa 5000 Schafe von 6 Schäfereien betreut. Die Lämmer, hauptsächlich Merino-Reinzucht, erreichen ihr Schlachtgewicht von 40-45 kg mit etwa 4 Monaten. Die Vermarktung läuft ausschließlich über Händler. Auch die anschließende Rundfahrt über den Truppenübungsplatz beeindruckte uns nachhaltig. So fuhren wir durch ein ehemaliges Dorf, welches jetzt als Geisterstadt für Schieß-Übungen genutzt wird. Die Stimmung war schon beklemmend. Nach einem kurzen Stop im Hotel in Würzburg ging es für die Teilnehmer dann zum gemütlichen Teil des Tages über. Eine Weinprobe im Staatlichen Hofkeller Würzburg stand auf dem Programm. Nach der Führung durch das historische Kellergewölbe mit den großen und alten Weinfässern gab es dann bei einer zünftigen Brotzeit sechs verschieden Weine aus Franken zu probieren. Durch die Erklärungen zum Wein und das richtige Schlürfen wurden alle Teilnehmer so langsam zu richtigen Weinkennern. Nach der Weinprobe genossen noch einige den lauen Sommerabend in der Altstadt Würzburgs.
Da man beim Trinken mit dem anfangen sollte, womit man aufgehört hat, gab es am nächsten Morgen dann einen Besuch auf dem Weingut Freihof in Sommerach. Der Besitzer Hubert Kram erklärte uns alles rund um den Weinanbau und die Herstellung des Weines. Nach einer leckeren Mittagsmahlzeit im urigen Städtchen Greding ging es dann immer weiter südlich zu den Gebrüdern Langenegger in Haimhausen, kurz vor München. Die Familie Langenegger betreibt einen Nebenerwerbsbetrieb mit Pensionspferdehaltung und Biotoppflege. Die beiden Brüder, zusammen mit Frau und Kindern sowie den Eltern, züchten erfolgreich Texel mit etwa 50 bis 60 Herdbuchschafen. Gespannt war die Truppe besonders auf den schleswig-holsteinischen Bock, den die Langeneggers 2010 auf der Auktion in Husum für 4050,00 € gekauft hatten. Würde es ihm auch soweit weg von der Küste gut gehen?! Wir alle konnten uns davon überzeugen, dass der Bock sich mittlerweile in Bayern heimisch fühlt und gute Arbeit geleistet hat. Besonders beeindruckt waren wir von dem gastlichen Empfang den die Familie für uns vorbereitet hatte. Neben Kaffee, Kuchen und einer Brotzeit hatte die Familie Poster von ihren Böcken aufgehängt und die Reithalle liebevoll dekoriert. Ein bisschen stolz waren wir schon, denn die meisten dieser Böcke stammten aus schleswig-holsteinischen Zuchten. Auch der Zuchtleiter des Landesverbandes bayerischer Schafhalter, Christian Mendel, der die Reise im Vorfeld geplant hatte, ließ es sich nicht nehmen die Truppe höchstpersönlich zu begrüßen. Bei dieser Gastfreundlichkeit und den netten Gesprächen die sich an diesem Nachmittag ergaben fiel es allen schwer weiter zu fahren. Aber die Fahrt zu unserem endgültigem Hotel in Bad Kohlgrub war auch schon eine Attraktion und ein krönender Abschluss dieses Tages. Bei traumhaftem Sonnenuntergang zeigten sich die Gipfel der Alpen in ihrer schönsten Form. Nach einer ruhigen Nacht im Hotel Schillingshof machten wir uns dann zum Almabtrieb nach Garmisch-Partenkirchen auf. Hier sollten gegen 10.00 Uhr etwa 800 Schafe von den unterschiedlichen Almen auf die Partnachalm getrieben werden. Am Olympia Skistadion empfing uns Josef Grasegger, um uns zu begleiten. Und es sollte der Satz dieser Lehrfahrt geboren werden, als es hieß „Etwa 20 minütiger lockerer Fußmarsch bis oben“! Da hatte er die Rechnung aber ohne die Plattlandtiroler gemacht. Die meisten bissen die Zähne zusammen als der Anstieg immer steiler wurde und somit die Beine immer schwerer! Aber es war hart und der Weg immer länger! So organisierte Herr Grasegger schnell ein Auto, damit alle das Panorama genießen konnten. Und es war nicht nur ein Anblick der sich uns dort oben in1050 m Höhe bot, auch das Schellengeläut der Schafe war ein Erlebnis (aber sicherlich nicht zum nachahmen an den Deichen!)! Josef Grasegger erklärte uns, dass diese Schellen unbedingt notwendig sind, um die Schafe zu hören, denn ansonsten würde man ein verlorenes Schaf nicht wiederfinden in den Bergen. Nach einem „lockeren Abstieg“ ging es dann weiter zur Bergschafprämierung in Mittenwald. Hier erwartete uns ein bayerisches Schäferfest fern ab vom typischen Tourismus. Nur wenige Touristen hatten sich unter die bayerischen Schafhalter in Lederhose und Tracht gemischt und bei zünftiger Musik konnten wir erleben wie in Bayern gefeiert wird. Daneben wurden etwa 50 Bergschafe gekört und prämiert. Besonders auffällig waren die vielen Kinder und Jugendlichen, die die Schafe im Ring vorführten.
Am nächsten Morgen ging es dann für die meisten noch höher hinaus. Mit etwas Muskelkater fuhren wir auf den höchsten Berg Deutschlands, die Zugspitze. Vom Bahnhof in Garmisch-Partenkirchen ging es zuerst 2600 m hoch mit der Zahnradbahn zum Zugspitzplatt bevor es nochmal 362 m mit der Gletscherbahn zum endgültigen Ziel der Zugspitze (2962 m) ging. Und wir hatten Glück! Die meisten Wolken verzogen sich, so dass wir einen grandiosen Rundumblick hatten. Auch eine Reise nach Österreich war inbegriffen, da die Landesgrenze auf der Plattform verläuft! Ein paar ganz mutige Reiseteilnehmer trauten sich sogar vor bis zum Gipfelkreuz. Die anderen genossen das Wetter und die Aussicht auf die Berge, die Täler und den Eibsee und so hätte man noch länger dort oben verweilen können. Diejenigen die am Vortag genug Höhenluft geschnuppert hatten, verfolgten wie in Partenkirchen die Schafe getrennt und ihren Besitzern zugeordnet wurden. Dabei lernten sie noch einige einheimische Schafhalter kennen und so war die Zeit auch hier schnell vergangen. Beim späten Mittagessen traf man sich wieder und man hatte sich viel zu erzählen auf der Fahrt zur letzten Station des Tages. Karl Angermeier, einer der ältesten Zuchtbetriebe Bayerns, empfing uns auf seinem Betrieb direkt am Stadtrand von Garmisch- Partenkirchen. Mit viel Leidenschaft und Herzblut erzählte er von seinen etwa 20 Herdbuchschafen der Rasse Weißes Bergschaf, die er züchtet. Von einem ereignisreichen Leben erzählten auch die Pokale, Bilder und Andenken, die er in seinem Gartenhaus von der Schafzucht und Fingerhakel-Wettbewerben gesammelt hat. Bei einem Abendessen im Klosterkeller in Ettal konnten wir die Eindrücke des Tages noch einmal Revue passieren lassen und dann den letzten Abend in Bayern geniessen.
Mit vielen neuen Eindrücken und sonnigen Erinnerungen im Gepäck machten sich die Teilnehmer dann wieder auf ins wunderschöne Flachland Schleswig-Holstein. Die ca. 950 km vergingen durch die gute Stimmung im Bus schneller als am Anfang geglaubt. Und auch der Busfahrer Udo, der uns schon während der ganzen Fahrt sehr gut betreut hatte, trug seinen Teil dazu bei. Daher möchte ich diesen Reisebericht auch mit den Worten von Udo beenden, denn sie beschreiben die Lehrfahrt 2011 kurz und gut: „Schön, Schön, Schön!“