07.03.12

Lammzeit in Schleswig-Holstein beginnt

Für die etwa 2.300 Schafhalter in Schleswig- Holstein beginnt nun die anstrengendste Zeit des Jahres, die Lammzeit. Rund 360.000 Schafe werden hierzulande gehalten. Im Landesverband Schleswig-Holsteinischer Schafzüchter werden zur Zeit 38 Rassen, aufgeteilt in Fleisch, Land- und Milchschafe, im Zuchtbuch geführt. Der Verband hat etwa 700 Mitglieder, davon sind 250 Züchter und 350 Gebrauchsschafhalter.

Die Lammzeit bei den Züchtern findet zum größten Teil im Dezember und Januar statt,  damit die Zuchtböcke zur Körzeit im Juli sich von ihrer besten Seite zeigen können.
Bei den Gebrauchsschäfern kommen die meisten Lämmer zwischen Februar und April zur Welt. So können die Mutterschafe mit den Lämmern nach der kurzen Stallperiode dann wieder so schnell wie möglich auf die Weiden. Zu dieser Zeit beginnt dann auch normalerweise die Vegetation zu erblühen und  die Lämmer erhalten gleich bestes Gras und gedeihen gut. Diese Lämmer haben dann etwa nach 6-7 Monaten das Schlachtgewicht erreicht und gehen in den Handel.
Als Rassen werden in Schleswig-Holstein zur Lammfleischerzeugung vor allem Texel-, Weißkopf- und Suffolkschafe eingesetzt. Vermarktet werden die Schlachtlämmer und Schlachtschafe Schleswig-Holsteins zum überwiegenden Teil über den Lebendhandel. Hier kaufen Händler die Lämmer lebend auf und vertreiben diese an Schlachtereien in den Niederlanden, Frankreich und der gesamten Bundesrepublik. Die Schäfer erhalten etwa 2,10 € je kg Lebendgewicht für die Lämmer.
Die Lammzeit ist einer der wichtigsten Wirtschaftsfaktoren für jeden Schäfer, da die Anzahl der Lämmer maßgeblich den Erfolg des Betriebes bestimmt.
Um so wichtiger ist es auch über Krankheiten zu dieser Zeit sowohl bei den Muttertieren als auch bei den Lämmern genau Bescheid zu wissen, um im Notfall richtig und schnell reagieren zu können. Der nachfolgende Bericht gibt einen Überblick über die wichtigsten Krankheiten zur Lammzeit.

Vermehrtes Auftreten von Fehlgeburten (Aborte), Totgeburten und lebensschwachen Lämmern kann durch verschiedene infektiöse und nichtinfektiöse Ursachen ausgelöst werden. Nichtinfektiöse Aborte treten häufiger auf als infektiöse Aborte, wobei in Deutschland der sog. Chlamydien-Abort der am häufigsten diagnostizierte infektiöse Schafabort ist.
Die Bezeichnung Virusabort ist eigentlich nicht richtig, da die Erreger, die Chlamydien, zu den Bakterien gezählt werden. Die Chlamydieninfektion führt zu Verlammungen ab der zweiten Trächtigkeitshälfte oder auch zur Geburt lebensschwacher Lämmer. Die Krankheitserreger werden oral aufgenommen, oft wenn andere Tiere beim Verlammen den Erreger mit der Nachgeburt und dem Gebärmutterausfluss in Massen ausscheiden. Der Erreger wird aber auch über Milch, Kot und Harn ausgeschieden. Über den Blutweg gelangen die Erreger dann zur Gebärmutter und verursachen hier eine Entzündung. Dadurch kommt es zu Ernährungsstörungen bei den Früchten, die absterben oder infiziert bleiben. Die Muttertiere verlammen, ohne selbst Krankheitserscheinungen zu zeigen. Die Lämmer sind tot oder lebensschwach, die Nachgeburt ist gelblich, verdickt und mit einer schmierigen Flüssigkeit überzogen. Bei einer Erstinfektion der Herde kommt es bei 30-50 % der Mutterschafe zum Abort, unabhängig vom Alter der Schafe. Infizierte Tiere verlammen häufig nur einmal und bilden dann einen mehrjährigen Antikörperschutz. Als Untersuchungsmaterial sollte die Nachgeburt, der Fetus und evtl. Scheidensekret (Tupferprobe) möglichst sauber und gekühlt eingesandt werden. Im Labor kann der Erreger innerhalb von 3 – 6 Tagen kulturell nachgewiesen werden. Auch können nach dem Chlamydienarbort spezielle Antikörper im Blut der Mutterschafe nachgewiesen werden. Als sofortige Gegenmaßnahmen sind absolute Stallhygiene, Beseitigung von Nachgeburten und toten Lämmern sowie die Desinfektion der Ablammboxen erforderlich. Beim ersten Auftreten von Aborten mit Verdacht auf Chlamydien kann durch die Behandlung der noch trächtigen Mutterschafe mit Oxytretracyclin- Präperaten das Abortgeschehen eingedämmt werden.
Das seuchenhafte Verlammen durch Chlamydien ist meldepflichtig und gehört zu den Zoonosen, d.h., dass sich auch Menschen anstecken können. Es kann zu Bindehaut- und Lungenentzündungen sowie Fehlgeburten bei schwangeren Frauen kommen.
Zur Vorbeuge kann die Herde kurz vor der Deckperiode geimpft werden. Die Impfung muss alle zwei Jahre wiederholt werden.

Beim Campylobacter- Abort werden die Erreger oral über  Futter, Wasser und Erdboden aufgenommen. Die tragenden Muttertiere verlammen i.d.R. in den letzten zwei Trächtigkeitsmonaten. Die verlammenden Muttertiere zeigen keine Symptome. Die Nachgeburt ist verdickt, grau und schlaff. Wichtig ist es, die Muttertiere, die verlammen, von der Herde zu  trennen und auf unbedingte Stallhygiene zu achten. Eventuell kann eine Behandlung mit Tetracyclinen sinnvoll sein. Zur Vorbeuge muss auf Sauberkeit, Trockenheit und hygienische Fütterung bei den Muttertieren geachtet werden. Eine vorbeugende Impfung ist zur Zeit nicht möglich.

Der Salmonellen-Abort wird in erster Linie durch den Erreger Salmonella abortus ovis hervorgerufen. Die Übertragung erfolgt über die Ausscheidung der Erreger mit Harn und Kot von infizierten, nicht erkrankten Tieren. Schlechte Haltungsbedingungen, Futtermangel, Fütterungsfehler und schlechte Witterung belasten die Tiere und fördern die Krankheitsentstehung. Tragende Muttertiere durchlaufen eine kurze Phase (oft unbemerkt!) mit Fieber, Durchfall und Scheidenausfluss. Zwei bis drei Wochen nach Ansteckung verlammen die infizierten Tiere oder bringen lebensschwache Lämmer zur Welt. Diese Lämmer haben sehr dünnen gelblichen Durchfall und verenden i.d.R. in der ersten Lebenswoche. Eine Notimpfung mit  stallspezifischem Impfstoff ist möglich. Auch eine Behandlung der Mütter mit Antibiotika kann versucht werden. Unbedingt muss auch hier sorgfältig und großflächig desinfiziert und die toten Lämmer sowie die Nachgeburten beseitigt werden. Dabei ist zu beachten, dass Salmonellen sehr lange in der Umgebung (Einstreu/Mist) überleben können. Zur Vorbeugung sollten sämtliche Stressfaktoren vermieden werden und die Stall- und Fütterungshygiene muss an erster Stelle stehen.

Auch wenn die Geburten gut verlaufen sind und die Lämmer auf der Welt sind, kann es noch zu Krankheiten bei den Lämmern kommen.

Durch ungenügende Stallhygiene (unzureichende und / oder feuchte Einstreu), mangelnde Geburtshygiene (fehlende Nabeldesinfektion, unsachgemäß abgenabelte Lämmer) und fehlende oder mangelnde Kolostralmilchversorgung kann es zu Nabel- und Gelenkentzündungen kommen.
Verschiedene Bakterien, wie Streptokokken, Staphylokokken, Coliforme Bakterien oder Clostridien dringen durch den Nabelstumpf ein und führen zu einer Entzündung des Nabels. Über den Blutkreislauf können sich die Erreger dann innerhalb von wenigen Tagen im Körper ausbreiten und so auch zu Gelenksentzündungen führen.
Der Nabelstumpf ist aufgrund der Entzündung warm, angeschwollen und schmerzhaft. Die Lämmer stehen mit gekrümmten Rücken und angezogener Bauchdecke, sind abgeschlagen, haben einen unterdrückten Saugreflex sowie arthritisches Fieber und weisen schmerzhafte bzw. vermehrt warme Schwellungen der Gelenke auf. In der Spätphase der Erkrankung liegen die Lämmer fest. Aufgrund der eindeutigen Symptome und durch Abfühlen des Nabels sowie des Bauchraumes ist eine Diagnose möglich. Bei frühzeitigem Erkennen kann eine Antibiotikabehandlung erfolgreich sein. Vorbeugend ist es wichtig, den Nabel der Lämmer gründlich zu desinfizieren, auf eine ausreichende Biestmilchaufnahme zu achten und für Sauberkeit im Ablammbereich mit frischer Einstreu zu sorgen.

Durchfallerkrankungen bei Lämmern können dramatisch verlaufen und so zu hohen Verlusten führen. In den ersten Lebenstagen wird der Durchfall hauptsächlich durch verschiedene Erreger aus der Umgebung der Tiere verursacht. Dabei verschlimmern schlechte Haltungs- und Witterungsbedingungen sowie eine ungenügende Kolostrumaufnahme das Krankheitsgeschehen. Der Durchfall führt zu Flüssigkeitsverlust bei den Lämmern. Durch Laboruntersuchungen können die Erreger festgestellt werden. Die Behandlungsmaßnahmen müssen schnell eingeleitet werden, dazu gehört unbedingt die Flüssigkeitszufuhr (Gllukose-Elektrolytlösungen) und eine Antibiotikabehandlung.


Wie die voran beschriebenen Krankheiten zeigen, ist das A und O einer erfolgreichen Lammzeit die Stall- und Fütterungshygiene. Somit lassen sich schon einige Verluste verhindern.
Für die Schafhalter in Schleswig-Holstein bricht also nun wieder eine spannende Zeit mit vielen schlaflosen Nächten an. Wir hoffen auf eine gesunde und erfolgreiche Lammzeit!