28.11.12

Der Wolf ist zurück in Schleswig-Holstein

Experten haben erstmals seit Jahren einen Wolf in Schleswig-Holstein entdeckt - im Kreis Segeberg. Der Wildpark Eekholt (Kreis Segeberg) hat mithilfe von Fotofallen Bilder des Tieres gemacht.

Begeisterung auch bei Umweltminister Robert Habeck (Grüne): "Dass der Wolf wieder da ist und wir ihn willkommen heißen, zeigt: Wir haben gelernt, dass Mensch und Natur zusammen gehören." Der Wolf sei ein Symbol dafür, dass Arten in Schleswig-Holstein wieder eine Zukunft haben könnten, die schon ausgerottet waren,“ sagte Habeck heute. "Der Wolf ist das Symbol für das wilde Schleswig-Holstein." Dass sich nicht alle so sehr über die Rückkehr des Wolfes freuen zeigen die Presseausschnitte: Der Landesverband der Schaftzüchter in Schleswig-Holstein betrachtet die Rückkehr des Wolfes mit Skepsis. "Wir freuen uns nicht, dass der Wolf wieder da ist", sagte Geschäftsführerin Janine Bruser. Noch seien nicht alle Fragen zu möglichen Schadensfällen geklärt. Der Landesjagdverband dagegen heißt das Tier willkommen. "Wir freuen uns, dass wandernde Wildtierarten, die wir schon lange erwartet haben, wieder den Weg nach Schleswig-Holstein gefunden haben", sagte Präsident Klaus-Hinnerk Baasch. Auch der Umweltbeauftragte der Nordkirche, Pastor Thomas Schaack, reagierte erfreut auf die Meldung von einem Wolf im Kreis Segeberg. Er warnte aber gleichzeitig vor Euphorie: "Ein Wolf macht noch kein wildes Schleswig-Holstein."

Zuletzt war 2007 ein Wolf in Schleswig-Holstein aufgetaucht. Das Tier war damals in der Nähe von Süsel überfahren worden. Davor gab es in Schleswig-Holstein lange Zeit keine Wölfe. Der letzte wurde 1820 erlegt.

Im Sommer waren beim Wolfsinfozentrum im Wildpark Eekholt erste Hinweise auf einen Wolf eingegangen. Das Wolfsinfozentrum und die geschulten ehrenamtlichen Wolfsbetreuer gingen den Spuren sofort nach und konnten frische Losung des Tieres sicherstellen. Die genetische Analyse einer Kotprobe bestätigte nun, dass es sich um einen männlichen Wolf handelt. Er gehört offensichtlich zur deutsch-westpolnischen Population. Es ist davon auszugehen, dass der Wolf über Mecklenburg-Vorpommern eingewandert ist – als Einzelgänger.

Der Wolf ist eine streng geschützte Art nach Washingtoner Artenschutzabkommen, Berner Konvention der europäischen Naturschutzrichtlinie (FFH-Richtlinie) und dem Bundesnaturschutzgesetz. Er ist außerdem sehr scheu. Deshalb wird der genaue Ort, an dem der Wolf beobachtet wurde, nicht bekanntgegeben, um das Tier nicht in Unruhe zu versetzen. Gefährdungen von Spaziergängern und spielenden Kindern sind auszuschließen, da Wölfe eine angeborene Scheu vor dem Menschen haben.

Im Tierpark Eekholt wurde ein Wolfsinfozentrum eingerichtet, dass mit den ehrenamtlichen geschulten Wolfsbetreuern zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit, die Koordinierung des Wolfsmonitorings und die Beratung bei Präventionsmaßnahmen ist. Für Fragen oder Wolfshinweise gibt es eine spezielle Hotline – Informationen gibt es unter www.wolfsbetreuer.de.

Nach Gesprächen mit dem Ministerium teilte dieses dem LV mit, dass Schafsherden, die aus arbeitstechnischen Gründen (z.B. häufiges Umsetzen, große Flächen) wie in der gängigen Praxis mit zwei stromführenden Litzen gezäunt sind, als ausreichend gesichert angesehen werden. Im Schadenfall würde dann also der Schafhalter entschädigt werden, wenn ein Wolfsriss belegt bzw. nicht ausgeschlossen werden kann. Um weitere Risse zu vermeiden, muss dann aber ein betroffener Schafhalter seine Schafe gesondert sichern (Netze). Dazu stehen im Wildpark Eekholt leihweise E- Netze zur Verfügung. Schäfer, die ihre Schafe zusätzlich sichern wollen, sollten sich zunächst zwecks Beratung an das Wolfsinfozentrum Eekholt wenden, danach können sie beim Ministerium die Kostenerstattung für zusätzliche Litzen und Pfähle beantragen (Kontakt: Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume, z.Hd. Anke Schwarz-Kaack, Mercatorst. 5, 24106 Kiel) Besteht der Verdacht, dass ein Wolf in Ihre Herde eingedrungen ist, melden Sie sich bitte umgehend beim Wolfsinfozentrum Eekholt.