01.07.13

Jahreshauptversammlung des Landesverbandes Schleswig Holsteinischer Schaf- und Ziegenzüchter

Zum ersten Mal wurde in diesem Jahr zur Mitgliederversammlung des Landesverbandes Schleswig-Holsteinischer Schaf- und Ziegenzüchter e.V. unter diesem neuen Namen eingeladen. Ende letzten Jahres wurde beschlossen, den Landesverband Schleswig- Holsteiner Ziegenzüchter e.V. aufzulösen und den Landesverband Schleswig-Holsteinischer Schafzüchter e.V. neu zu benennen und damit auch die Aufgaben auf die Ziegenzucht und -haltung zu erweitern.

Durch die Versammlung mit den vielfältigen Themen führte der Stellvertretende Vorsitzende Christian Lorenzen- Nissen, da der Vorsitzende Herbert Tietgen leider erkrankt war. Sehr viele Ehrengäste aus Politik und anderen Verbänden konnten begrüßt werden darunter Herr Kumbartzky (FDP), Herr Rickers (CDU), Herr Stoltenberg (Grüne), Herr Dr. Borchers von der Landwirtschaftskammer,Herr Rowehl (LKV), Dr. Schulze (Kreisveterinär Nordfriesland), Frau Riedel (Beratungsring) und Dr. Völl von der Vereinigung Deutscher Landesschafzuchtverbände (VDL).

Das gute Wetter nach den langen Wintermonaten sorgte jedoch dafür, dass die diesjährige Mitgliederversammlung nicht den kompletten Saal des „Hotels Schützenhof“ in Groß Wittensee füllen konnte. Nach der Begrüßung folgte der Jahresbericht der Geschäftsführerin Janine Bruser. Sie berichtete von den Themen, die die Schaf- und Ziegenhalter im letzten Jahr beschäftigt haben und von den zurückliegenden Veranstaltungen. Das Schmallenberg- Virus, welches noch zur Lammzeit 2012 in einigen Betrieben in Schleswig- Holstein für große Verluste sorgte, trat zum Glück zur Lammzeit 2013 nur noch vereinzelt auf. Ein Problem, an dem der Verband zusammen mit seinen Mitgliedern auch weiterhin arbeiten muss, sind streunernde oder nicht angeleinte Hunde, die in Schafherden regelmäßig für große Schäden sorgen, da die Schafe in Panik geraten und es während der Trächtigkeit dann zu Verlammungen und Verlusten in der Herde kommt. Auch der Tierschutz ist ein wichtiges Thema in der Schafhaltung. Die Schafe stehen wortwörtlich im Licht der Öffentlichkeit, da sie fast das ganze Jahr über auf den Deichen und Weiden draußen weiden. Hier ist es auch in Zukunft wichtig, sowohl die Öffentlichkeit über die Schafhaltung aufzuklären, als auch weiterhin die Schafe nach guter fachlicher Praxis zu halten. Leider musste Frau Bruser auch einen Rückgang der Mitgliederzahlen verkünden, wies aber gleichzeitig daraufhin, dass viele der Austritte altersbedingt waren und dass auch erfreulich viele neue Züchter gewonnen werden konnten.

Für das kommende Geschäftsjahr kündigte die Geschäftsführerin an, die Interessen der Mitglieder gemeinsam mit dem Vorstand weiterhin zu vertreten und das Angebot des Verbandes für die Mitglieder zu erweitern. Dabei werde man sich nicht nur um die gemeinsame Agrarpolitik zu kümmern haben sondern auch um weitere politische Themen wie Tierwohl, Gänseschäden an den Deichen und Tierkennzeichnung. An die politischen Vertreter der Fraktionen trug sie die Bitte vor, die sinkenden Schafbestandszahlen der letzten Jahre als alarmierendes Zeichen zu sehen, da dadurch die vielen gesellschaftlich relevanten Komponenten, wie Küstenschutz, Landschaftspflege und genetische Vielfalt für die die Schafhaltung steht bedroht sind. Danach ging es um wichtige und zukunftsweisende Verbandsthemen.

Die Geschäftsführerin machte deutlich, dass viele relevante Aufgabenfelder aufgrund der geringen Personalstärke im Landesverband nicht bearbeitet werden könnten. Viele Ideen, die für die Mitglieder einen besseren Service bieten und den Verband noch attraktiver machen würden, könnten zur Zeit nicht in Angriff genommen werden. Um die Verbandsarbeit auch zukünftig stabil zu gestalten wäre es daher dringend erforderlich noch eine Arbeitskraft anzustellen. Um diese Kosten zu decken müsste aber gleichzeitig auch der Mitgliedsbeitrag erhöht werden. Nach einer regen Diskussion sprachen sich die Mitglieder fast einstimmig für eine Gebührenanhebung des persönlichen Beitrages um 20 € aus und zeigten damit, das sie hinter der Arbeit des Landesverbandes stehen und ihn unterstützen. Auch bei den Wahlen war schon im Vorfeld klar, dass es zu einer Veränderung kommt. Der langjährige Vorsitzende Herbert Tietgen kandidierte nicht mehr für dieses Amt, so dass ein neuer Vorsitzender gewählt werden musste. Aus den Reihen der Mitglieder wurde Karl-Henning Hinz vorgeschlagen und bei der anschließenden Wahl auch einstimmig gewählt. Herr Hinz nahm die Wahl dankend an und versprach, sich für die Interessen der Schafhalter mit großen Engagement einzusetzen. Als neuer Vorsitzender dankte er Herbert Tietgen für seine geleistete Arbeit als Vorsitzender des Landesverbandes seit 2002. Er betonte, dass Herbert Tietgen den Verband immer mit viel Herzblut und Engagement geführt hat.

Herbert Tietgen absolvierte seine Schäfermeisterprüfung im Jahr 1968. Schon früh brachte er sich in die Arbeit der Landwirtschaftkammer im Prüfungs- und Grünlandausschuss ein. Er war Mitbegründer und Vorsitzender des Beratungsringes für Schafhalter und seit 1994 Stellvertretender Vorsitzender des Landesverbandes. Er wirkte bei der Gründung der Erzeugergemeinschaft für Qualitätslämmer aus Schleswig-Holstein mit und vermarktete seine Lämmer 30 Jahre lang unter dem Gütezeichen der Landwirtschaftskammer. Schon 1998 wurde er für seine Leistungen im Ehrenamt von der damaligen Ministerpräsidentin Heide Simonis mit der Ehrennadel des Landes Schleswig-Holstein geehrt.Weiterhin war er im Vorstand der VDL und der Wirtschaftsvereinigung Deutsches Lammfleisch (WDL) sowie der Arbeitsgemeinschaft Schleswig-Holsteinischer Tierzüchter.

Da er nicht selber anwesend sein konnte, dankte Frau Bruser in seinem Namen dem Vorstand, der VDL, der Landwirtschaftskammer, dem Landeskontrollverband und dem Bauernverband sowie den Fraktionen für die langjährige gute Zusammenarbeit und wünschte dem neuen Vorsitzenden Karl- Henning Hinz alles Gute und viel Erfolg für seine Arbeit.

Aufgrund der herausragenden Leistungen in den vielen Jahren schlug der neue Vorsitzende vor, Herrn Tietgen zum Ehrenvorsitzenden zu wählen. Dies wurde einstimmig von der gesamten Versammlung befürwortet.

Nach der Wahl von Henning Hinz zum Vorsitzenden musste nun ein freigewordener Vorstandsposten vergeben werden. Dazu wurde Dr. Angelus Brandt vorgeschlagen und gewählt. Auch Herr Dr. Brandt bedankte sich für das Vertrauen der Versammlung und nahm die Wahl an. Als neues Zuchtausschussmitglied wurde Prof. Dr. Kay Poggensee gewählt.

Nach diesem Wahlmarathon übernahm der neue Vorsitzende die Versammlungsleitung und ging auf den nächsten Tagesordnungspunkt ein. Aufgrund des reformierten Tierzuchtrechts musste die Zuchtbuchordnung überarbeitet werden. Diese wurde mit den Mitgliedsverbänden der VDL und der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein abgestimmt und den Deputierten zur Prüfung weitergeleitet. Die neue Zuchtbuchordnung wurde dann von der Versammlung genehmigt, so dass der Landesverband nun eine Neuanerkennung beantragen kann.

Erfreulicherweise konnten auch wieder zwei neue Rassen in das Schleswig-Holsteinische Zuchtbuch aufgenommen werden. Die Rasse Barbados Blackbelly stammt ursprünglich von der Inselgruppe Barbados, wo Einkreuzungen von europäischen Schafrassen in Schafe westafrikanischen Ursprungs erfolgten. Es ist ein mittelrahmiges, langschwänziges Haarschaf mit guter Anpassungsfähigkeit an unterschiedlichste klimatische Verhältnisse. Dagegen gehört die Rasse Lleyn Schafe zu den Fleischschafen und stammt ursprünglich von der Halbinsel Lleyn in Wales.

Herr Dr. Stefan Völl, Geschäftsführer der VDL und des Bundesverband Deutscher Ziegenzüchter (BDZ) war extra aus Berlin angereist, um über die aktuellen Themen der Schafhaltung auf Bundes- und EU- Ebene zu berichten. Er berichtete von dem Prozess bezüglich der Tierkennzeichnung vor dem Europäischen Gerichtshof in Brüssel. Hier waren rund 300 Schafhalter aus unterschiedlichen Ländern zusammen gekommen um so die Einigkeit der Schafhalter zu demonstrieren. Ein Urteil wird hier im August erwartet. Außerdem berichtete er über den aktuellen Stand bei der EU- Agrarreform, wo sich die VDL für die Schaf- und Ziegenhalter einsetzt. Auch er dankte dem ehemaligen Vorsitzenden für die geleistete Arbeit im Vorstand der VDL und der WDL.

Zum Schluss konnten dann auch noch bundesweite Erfolge für die Schleswig-Holsteinische Schafzucht gefeiert werden. Herr Paul Burgwald und Jens Reitmann wurden für ihre züchterischen Erfolge auf der Schwarzkopf- und Suffolkelite 2012 und 2013 mit der Medaille der Landwirtschaftskammer ausgezeichnet.

Nach einer ereignis- und abwechslungsreichen Versammlung bedankte sich Karl- Henning Hinz nochmals bei allen Anwesenden für ihr Kommen und rief dazu auf, auch in den nächsten Jahren zusammen für die Schafhaltung in Schleswig-Holstein zu arbeiten!