Chronik des Verbandes

1995 - 75 Jahre Landesverband Schleswig-Holsteinischer Schafzüchter

- von Dr. J.-H. Brodersen-

Tierzucht in Schleswig-Holstein ist ohne englische Rassen nicht denkbar, das trifft auch für die Schafzucht zu. Die Tierzucht in England galt im vorigen und Anfang dieses Jahrhunderts als vorbildlich. Die Begeisterung für englische Rassen war daher in Norddeutschland weit verbreitet. Jeder gelernte Tierzüchter weiß, daß Robert Bakewell (1725-1795) als Pionier der praktischen Tierzucht gilt.Die Schafrasse "Leicester" ist z.B. seine Schöpfung. Robert Bakewell gründete einen Züchterverein, der u.a. eine systematische Nachkommenprüfung für Schafböcke auf der Weide betrieb: Die Vereinsmitglieder liehen Zuchtböcke gegen eine Deckgebühr in andere geeignete Herden aus. Dabei behielten sie sich das Recht der Nachkommenbesichtigung und der Rücknahme zwecks Eigenverwendung solcher Böcke vor, die sich besonders gut vererbt hatten. Ähnlich verfahren heute noch einige schleswig-holsteinische Schäfer mit auf der Auktion zugekauften Lammböcken, die dann erst 1 Jahr später in der eigenen Herde zum Einsatz kommen, soweit sie diese "Nachkommenprüfung" bestanden haben. Schon um 1800, also erheblich früher als bei uns, wurden in England öffentliche Stammbücher für die neu erzüchteten Rassen angelegt. Robert Bakewell war übrigens der Lehrmeister von Charles Colling, der die auch für Schleswig-Holstein so wichtige Rinderrasse "Shorthorn" schuf.

In Schleswig-Holstein hatte die Schafhaltung bekanntlich ihre größte Bedeutung im vorigen Jahrhundert, vor allem in der Zeit von 1840-1890. 1873 wurden im Dezember in S-H z.B. 392.000 Schafe gezählt. Das waren noch 73% mehr als heute (226.000). Um 1900 rutschte der Landesbestand aber schon unter das heutige Niveau ab. Deutliche Bestandszunahmen wurden dann noch mal nach dem 1. Weltkrieg und besonders im 3. Reich- mit Dezemberbeständen bis zu 215.000 Schafen- verzeichnet. Die großen Landesbestände des letzten Jahrzehnts, in das auch der Höchstbestand des Jahrhunderts mit 259.000 Schafen- im Dez. 1990- fällt, sind vor allem auf die Milchquoten zurückzuführen. Die kleinsten Schafbestände dieses Jahrhunderts wurden 1928 (98.000) und 1971 (93.000) festgestellt. Verglichen mit der für Deutschland insgesamt beschriebenen Entwicklung war der Bestandsrückgang im Vergleich zum vorigen Jahrhundert in S-H gering. Die dafür allgemein verantwortlich gemachte Intensivierung des Ackerbaus dürfte hier eine geringere, der hohe Anteil natürlichen Grünlands eine stabilisierende Rolle gespielt haben.

Die schleswig-holsteinische Schafwirtschaft war schon im vorigen Jahrhundert stark exportorientiert. Hauptabnehmer war damals jedoch nicht Frankreich, sondern England, das in den 70er und 80er Jahren immerhin rd. 50.000 Schlachtschafe jährlich aus S-H bezog, und zwar per Schiff ab Tönning bzw. ab Hamburg. Ende der 80er Jahre wurde der Handel durch veterinärpolizeiliche Vorschriften immer stärker erschwert, die- wegen einer angeblich in S-H herrschenden MKS- den Export 1889 schließlich ganz zum Erliegen brachten.

Durch die Faszination , die die als fortschrittlich geltende Tierzucht in England gerade auch auf die Schleswig-Holsteiner ausübte , hatten sich geschäftliche und teilweise auch persönliche Beziehungen entwickelt, z.B. indem sich Söhne und Töchter Eiderstedter Züchter in England fachlich weiterbildeten. Vor diesem Hintergrund wird verständlich, daß der Einfluß des englischen Verbrauchergeschmacks und auch der englischen Schafrassen auf die Schafzucht in Schleswig-Holstein noch lange über 1889 hinaus erhalten blieb. So wurden nicht nur aus England importierte Böcke zur Einkreuzung benutzt, sondern- vor allem in Eiderstedt und den angrenzenden Gebieten- auch Reinzucht engl. Rassen betrieben. Die beiden wichtigsten Importrassen waren bekanntlich das "Cotswoldschaf", einer von zwei wichtigen Vorläufern der heutigen Weißköpfe, und das "Oxfordshiredownschaf", auf dem die schlesw.-holst. Schwarzköpfe aufbauten.Gut zwei Jahrzehnte lang, von 1914 bis 1935, trug die damals noch selbständige Züchtervereinigung in Eiderstedt den Namen "Verein Eiderstedter Cotswold- und Oxfordshiredown- Schafzüchter".

Die Schafzucht ist in Schleswig-Holstein wesentlich älter als die Schafzuchtvereine. Sie wurde davor von landwirtschaftlichen Vereinen oder Viehzuchtvereinen mit breiterer Zielsetzung mit betreut. Von Friedrich Johannsen, Tating, der darüber 1985 aus Anlaß des 100jährigen Jubiläums des Eiderstedter Schafzuchtvereins berichtete, wissen wir z.B., daß der 1837 gegründete "Landwirtschaftliche Verein in der Landschaft Eiderstedt" jährlich Tierschauen veranstaltete. 1840 brachte das Husumer Wochenblatt vom 20. Sept. Namen von Eiderstedter Tierzüchtern, die für ausgestellte Böcke und Schafe eine Prämie erhielten. Das Protokollbuch des o.g. Vereins nennt 1856 auch Namen der damals gezüchteten Rassen. Erwähnt werden die "Down-Rasse" (vermutlich schon damals Oxfordshiredown) und die "Leicester- Rasse", eine engl. Weißkopfrasse.

Die Gründung von Spezialvereinen für Schafzucht fällt in S-H in die Zeit von 1885 bis 1920. 1885 entstand auch die DLG , 1896 die schlesw.-h. Landwirtschaftskammer, zwei Einrichtungen , die die Schafzucht und ihre Organisationen im Lande stark beeinflußt haben. Die "Eiderstedter Nachrichten" berichteten 1885 über die erste Körung des neu gegründeten "Eiderstedter Schafzüchtervereins", bei der einige Hundert Böcke und Schafe der Rassen Oxfordshiredown, Hampshiredown und Cotswold ins Herdbuch aufgenommen wurden. Der Ausdruck "Körung" ist sehr viel älter als die Tierzuchtgesetze. Er wurde damals- und teilweise heute noch- für beide Geschlechter benutzt. Die Rasse "Hampshiredown" ist eine weitere engl. Schwarzkopfrasse, die in anderen deutschen Schwarzkopfzuchten eine größere Rolle gespielt hat als in Schlesw.-Holst.. Die Rasse "Leicester" (sprich Lester) wird in diesem Bericht nicht mehr erwähnt. Trotz Aufbruchstimmung und englischer Rassen geriet der Eiderstedter Schafzuchtverein v. 1885 zunächst in eine Existenzkrise. 1912 folgte daher eine Neugründung mit gerichtlicher Eintragung, 1914 dann die oben schon erwähnte Umbenennung in "Verein Eiderstedter Cotswold- und Oxfordshiredown- Schafzüchter" (zur Schafzucht in Eiderstedt vgl. auch Vorspann des Ausstellungskatalogs der 1985 in Garding durchgeführten Jubiläumsausstellung).

Andere regionale Schafzuchtvereine entstanden 1908 (Wilstermarsch), 1913 (Südtondern), 1917 (holst. Elbmarschen), 1918( Bredstedter Köge) und 1919 (Kreis Oldenburg). Natürlich war die Grünlandmarsch für die Schafzucht und -haltung in mehrfacher Hinsicht prädestiniert. Wassergräben als natürliche Weidebegrenzung werden von Schafen eher respektiert als Wälle bzw. Knicks (Elektroweidezäune waren noch nicht im Einsatz), der Futteraufwuchs ist qualitativ (vor dem Handelsdüngereinsatz auch mengenmäßig) besser, und die Schafhaltung ließ sich mit der Mastrinderhaltung besser kombinieren als mit der Milchkuhhaltung. Weidebullen gab es damals nicht, und die gemischte Beweidung mit den übrigen Mastrindergattungen bereitete keine Probleme. Weidehammel und Schafe mit Lämmern waren ja sogar ein wichtiger Teil des "Lücht"-Systems, mit dem sich die Gräser durch schrittweise und gezielte Besatzverminderung dem abnehmenden Futteraufwuchs anpaßten (vgl. dazu z.B. Diss. von U. Kraft 1960). Außerdem verminderte die gemischte Haltung wesentlich die Parasitengefahr und verbesserte so den Zuwachs beider Tierarten.

Auf den ältesten Regionalverein im Lande, den Eiderstedter Schafzüchterverein wird hier etwas näher eingegangen, um die Entwicklungen vor der Gründung des Landesverbandes darzustellen (vgl. auch o.g. Katalog zum 100jährigen Jubiläum in Eiderstedt). Eine recht interessante, aber natürlich in vielen Punkten ähnliche Entwicklung weisen die übrigen Vereine S-H´s auf. Die Geschichte des Vereins in Südtondern ist im Schafhalter, Ausgabe Juni 1988, aus Anlaß seines 75jährigen Jubiläums geschildert worden. Aus dem gleichen Anlaß wurde der Verein Südwestholstein- auf den wir bei der Besprechung der 20er Jahre noch einmal zurückkommen- im Schafhalter, Ausgabe Juni 1994, vorgestellt.

Die Regionalvereine züchteten anfangs durchaus verschiedene Rassen. Statt der genannten engl. Rassen in Eiderstedt und angrenzenden Gebieten waren das z.B. in Südwestholstein das weißk. Fleischschaf der holst. Elbmarschen (das sich in Typ und Leistung relativ deutlich von Cotswold und Leicester abhob), sowie das ostfr. Milchschaf und das typmäßig zwischen beiden einzuordnende Wilstermarschschaf. Was die Vereinszwecke angeht, dürfetn inhaltliche Übereinstimmungen bestanden haben. In der Satzung des Eiderstedter Vereins von 1912 sind u.a. genannt:

- Eine geordnete Zuchtbuchführung und Tierkennzeichnung gem. DLG-
- Entwurf
- Körung und Revision männl. und weibl. Tiere
- Beschickung von Schauen

Auf DLG-Ausstellungen konnten seit 1903 nur DLG anerkannte Verbände ausstellen. Dafür waren o.g. Maßnahmen und wohl auch die DLG-Mitgliedschaft Voraussetzung. Aufgaben der Überwachung der Kennzeichnung und der Zuchtbuchführung hat die DLG bis 1976 behalten, ab 1936 in staalichem Auftrag. Sie hat dadurch und durch ihre Ausstellungen, die ja immer auch Wettbewerbe waren, einen wesentlichen Beitrag zur Vereinheitlichung von zuchttechnischen Maßnahmen und Zuchtzielen in Deutschland geleistet.
" Revision" steht für wiederholte Vorstellung und Bewertung, wohl insbesondere der Zuchtböcke. Sie ist als Vorläufer der späteren bis 1976 im Tierzuchtgesetz verankerten "Hauptkörungen" anzusehen, bei denen Vatertiere, die zur Verbesserung der Landeszucht nicht mehr geeignet schienen, für den Deckeinsatz zu sperren waren. Trotz DLG dürfte die Zuchtbuchführung bis 1934 auch in S-H recht verschieden gehandhabt worden sein. Sie wurde ja überwiegend von ehrenamtlichen Kräften, sicherlich auch abends und am Wochenende erledigt. Wieviel Sorgfalt und Fleiß darauf dennoch verwendet wurden, zeigt ein Herdbuchausschnitt des Vereins holst. Elbmarschen aus den 20er Jahren (Anhang). Die Herdbuchführung verblieb ja bis 1934 bei den Regionalvereinen.

Die Vereinsmitglieder verpflichteten sich, ihre Herdbuchschafe nur von gekörten Böcken decken zu lassen. Für die Tierbewertung ernannten die Vereine Körkommissionen. Von Anfang an kümmerten sie sich natürlich auch um den Einsatz hochwertiger Zuchtböcke, die teilweise in anderen Zuchtgebieten oder im Ausland zugekauft wurden, wie z.B. auch in den ersten Protokollen der Vereine Südtondern (ab 1913) nachzulesen ist. Die Regionalvereine waren -korporativ- durchweg auch der Landwirtschaftskammer S-H angeschlossen, von der man sich eine bessere Information und in Satzungs- und ähnlichen Fragen auch Beratung erhoffte. Natürlich dienten die genannten und andere Vereinsmaßnahmen auch damals schon der Imagepflege, auch wenn dieser Begriff im Lande wohl noch nicht gebräulich war.

Nach dem 1. Weltkrieg schien das Bedürfnis nach überregionaler Zusammenarbeit, nach besserer Koordinierung der Zucht- und Verbandsarbeit, aber auch nach Inangriffnahme zusätzlicher, nur überregional lösbarer Serviceleistungen für die gesamte Schafhaltung im Lande zu wachsen. Als wesentliche Ziele wurden angesehen:
-Eine bessere Transparenz, Koordination und Überwachung der
Herdbuchführung im Lande
-Schauen und Absatzveranstaltungen auf Landesebene
-Eine bessere Präsentation schlesw.-holst. Zuchtschafe auf den DLG- Ausstellungen,

aber auch überregionale Maßnahmen für die Räudebekämpfung, für die Schafschur und für den Wollabsatz und, last but not least, die Einführung einer allgemeinen Beratung für alle Schafhalter. Aus dieser Aufzählung ist auch die Einsicht der damaligen Entscheidungsträger abzulesen, daß die Zucht sich nicht entwickeln kann, wenn den Schafhaltern nicht gleichzeitig mehr Hilfen angeboten werden. Dieser Grundsatz wird übrigens in den Satzungen aller heutigen deutschen Landesschafzuchtverbände berücksichtigt. Ob die Zentralisierung der Herdbuchführung auch damals schon erwogen wurde, ist dem Verfasser nicht bekannt. Daß die Gründung eines Landesverbandes mit Vorurteilen befrachtet wurde, zeigt eine Beritrittsbedingung, die im Protokoll des Eiderstedter Vereins von 1920 enthalten ist: "Der Verein ist bereit, unter der Bedingung, als Ganzes als Eliteherde respektive Reinblut anerkannt zu werden, wie dies die DLG auch bereits getan hat, dem Verbande Schleswig-Holsteinischer Schafzüchter beizutreten".

So entstand im Jahre 1920 der überregionale "Verband schleswig-holsteinischer Schafzüchter e.V." mit Sitz in Kiel, dem sich alle bestehenden Schafzuchtvereine der Provinz Schleswig-Holstein anschlossen. Die Gründungsversammlung fand am 25. Febr. 1920 statt. Versammlungsleiter war G.J.Tönnies, der 1. Vorsitzende des neuen Verbandes (1920-1926). Als Gründungsmitglieder können außer Tönnies Claus v. Drahten- Kollmar, Jacob J. Meiforth- Wilster, H.Heesch- Wilster, P. Wree- Lutzhöft, Reeder- Holmhof, P. Hamkens- Hoyersworth, H. Franzen - Seeth, D. Hansen- Rantrum, Chr. Röhe- Feddersburg, K. Steensen- Blumenhof und J. Feddersen- Bargum angesehen werden. Am 25. Febr. wurden eine Verbandssatzung, eine Geschäftsordnung und eine Körordnung beschlossen. Die Eintragung erfolgte am 18. Juni 1920 beim Amtsgericht in Kiel. Gesetzlicher Vertreter wurde der "Verbandsdirektor" (Vorsitzender). Dieser bildete zusammen mit 8 weiteren Vertretern den Verbandsausschuß. Dies waren neben Tönnies, v. Drahten u. Meiforth Fr.W. Beck- Pinneberg, Dr.v. Hoff- Putlos, Chr.J.Jessen- Tinningstedt, Paul Ingwersen- Soph.-Magdalenenkoog, Hs.J. Peters- Tetenbüll und J. Mommsen- Emmelsbüll. Dem damaligen Zeitgeist entsprechend wurden alle Namen mit dem Zusatz "Hofbesitzer" aufgeführt, außer bei Dr.v.Hoff, der als "Gutsbesitzer zu Putlos" eingetragen wurde. Als Verbandszweck wurden die Förderung der Schafzucht und der Schafhaltung - gleichrangig nebeneinander-genannt. Mitglied werden konnten Vereine und Einzelpersonen ("soweit an deren Wohnort noch kein regionaler Verein besteht"). Verbandsdirektor und Verbandsausschuß wurden auf 3 Jahre gewählt. Natürliche Personen hatten in der MV 1 Stimme, Vereine je 100 gekörte Herdbuchtiere ebenfalls 1 Stimme, eine ähnliche Regelung wie sie für Züchter heute noch besteht. Das Handhochheben bei Abstimmungen war damals übrigens noch nicht üblich. Wie auch bei den Regionalvereinen erfolgte die Stimmabgabe durch Aufstehen bzw. Sitzenbleiben, nur in Ausnahmefällen durch Stimmzettel. Von Anfang an bestand nicht nur eine enge Zusammenarbeit mit der Landwirtschaftskammer, der Landesverband schloß sich auch der Kammer an, und diese stellte bis 1934 den hauptamtlichen an der Landwirtschaftsschule Kiel als Lehrer tätigen LR Dr. Boldt für Geschäftsführungs- u. Beratungsaufgaben zur Verfügung. Der LK wurde das Recht eingeräumt , den Verband zu überprüfen. Dem Vorsitzenden stellte der Verband ein Freiexemplar des landw. Wochenblattes zur Verfügung. Die Aufgaben des neuen Verbandes wurden größtenteils als Gründungsziele schon genannt. Das Wort Beratung scheint noch nicht gebräuchlich zu sein. Stattdessen ist von "Belehrung der Schafzüchter und -halter" die Rede, eine Formulierung, die heute wohl nicht mehr akzeptiert würde.

Einen wesentlichen Anteil an der damaligen Aufbauarbeit und der späteren Verbandsentwicklung hatte der 1923 zum Vorsitzenden des damals züchterisch sehr aktiven "Schafzuchtverein für die holst. Elbmarsch" gewählte Claus Thormählen, Neuendorf, der 1926 auch den Vorsitz im Landesverband übernahm. Der Elbmarschverein stellte bereits einen Zusammenschluß 4 ehemals selbständiger Schafzuchtvereine dar, die im Zusammenhang mit der Besprechung der regional unterschiedlichen Rassen schon genannt wurden."Das deutsche weißköpfige Fleischschaf in den holst. Elbmarschen" ist eine 1932 von Dr. Schmidt, dem späteren 1. hauptamtlichen Verbandsgeschäftsführer vorgelegte Dissertation betitelt. Sie stellt für einen LV-Chronisten eine wichtige Infoquelle über die Weißkopfzucht der 20er Jahre dar, die in der Elbmarsch damals noch nicht von engl. Weißkopfimporten beeinflußt war. Das Weißkopfschaf der Elbmarsch bildete neben Cotswold die wichtigste Säule des späteren deutschen weißköpfigen Fleischschafes. Auch manche Zuchtpraktiken wurden von dem ab 1934 unter zentralem Herdbuch geführten LV übernommen wie z.B. die Feststellung der 100-Tage-Gewichte der Lämmer. Der LV hat diese Prüfung immerhin bis 1953 beibehalten. Festgestellt wurden dabei die Körpergewichte saugender Lämmer im Feld, die natürlich von der eigenen Veranlagung zur Mast ebenso beeinflußt wurden wie von der Milchleistung der Mutter. Schmidt beschreibt die wesentlichen Einflußfaktoren und erkannte schon damals, daß die Berechnung von Zunahmen sinnlos ist, wenn die Geburtsdaten falsch angegeben werden. In dem Zusammenhang forderte er wöchentliche (!) Herdenkontrollen, die sich natürlich schon damals nicht in die Zuchtpraxis umsetzen ließen. Imponierend sind immer wieder die gefällige äußere Erscheinung des von ihm beschriebenen und auf Fotos festgehaltenen Schafes wie auch dessen Frühreife und Zuchtleistungen, auch unter Berücksichtigung der durchweg recht guten Weidebedingungen.

Claus Thormählen war selbst Weißkopfzüchter, Züchter einer Rasse, die in dem später von Cotswold beeinflußten Typ jahrzehntelang die Verbandsstatistik anführen sollte. Nach der Rassenzählung von 1935 entfielen 82% des schleswig-holsteinischen Schafbestandes auf Weißkopf, und der Anteil dürfte auch in den 20er Jahren nicht kleiner gewesen sein. Die LV-Herdbuchanteile dieser Rasse erreichten zeitweilig sogar 90%. Erst Anfang der 70er Jahre mußte die Rasse im Herdbuch Platz 1 an das Texelschaf abgeben. Cl. Thormählens Einfluß reichte, nach seiner Wahl zum LV-Vorsitzenden in 1926, auch in die Weißkopfzuchtgebiete Stade und Oldenburg (Weser-Ems) hinein. Der Zusammenschluß dieser 3 Zuchtgebiete zum "Reichsverband der Züchter des weißk. Fleischschafes" im Jahre 1928 ging wohl wesentlich auf seine Initiative zurück. Die Nachfolgeorganisation - ab 1934 -nannte sich bescheidener "Arbeitsgemeinschaft der Weißköpfe züchtenden Verbände".

Die Geschichte des LV ist u.a. durch lange Amts- bzw. Dienstzeiten der meisten Vorsitzenden und Mitarbeiter geprägt. Der besseren Übersicht wegen sollen an dieser Stelle die wichtigsten Personen in chronologischer Folge genannt werden:

 

 

Ab

Vorsitzender

Geschäftsf./Zuchtl.

Herdbuchführer

1920

G.J.Tönnies

Dr.Boldt (Gf)

 

1926

Claus Thormählen

 

 

1934

 

Dr.H.Schmidt

 

1935

 

 

E.Hargens (+ Auktionator)

1937

 

Dr.H.Augustin (1941) (Vertreter P.Wiese)

 

1945

 

Dr.H.Augustin

 

1966

J.H.Cl.Thormählen

 

 

1973

 

Dr. J-.H.Brodersen

Hs.M.Schröder

1981

P.H.Claußen

 

 

1991

 

Hs.M.Schröder

 

1993

Rolf Breyhahn

 

 

 

Cl. Thormählen blieb auch Vorsitzender, als 1934 ein zentrales Herdbuch in Kiel eingerichtet, ein Herdbuchführer eingestellt und der Verband in "Landesverband Schleswig-Holsteinischer Schafzüchter e.V." umbenannt wurde.1934 wurde auch die unter anderem Namen vorher schon tätige Reichswollverwertung in Berlin (RWV) zur Erfassung der deutschen Wolle gegründet, die zusammen mit staatlich garantierten Festpreisen deutliche Verbesserungen beim Wollabsatz brachte. Cl. Thormählen wurde RWV-Aufsichtsratsmitglied. Die Regionalvereine verloren einen wesentlichen Teil ihrer bisherigen Selbständigkeit. Der Landesverband wurde u.a. dadurch gestärkt, daß ihm von "Kreisfachwarten" betreute Gebrauchsschafhalter als Mitglieder "beigeordnet wurden". Die RWV wurde ermächtigt, vom Wollerlös prozentual bemessene Beiträge für den Reichsverband Deutscher Schafzüchter und für die Landesverbände einzubehalten, eine Maßnahme, von der die Landesverbände noch lange nach dem 3. Reich profitiert haben! Der Vorsitzende wurde zum "Verbandsleiter" und zum "Landesfachwart für Schafzucht" ernannt. Der Geschäftsführer und Zuchtleiter wurde gleichzeitig "Referent des Reichsnährstandes für Schafzucht in Schleswig-Holstein", eine Verbindung von staatlichen und verbandlichen Aufgaben, die sich bis Ende 1990 erhalten hat. Mit der "landwirtschaftlichen Gefolgschaft" wurden auch die Schäfer in den Reichsnährstand eingegliedert und für den Bereich der Landesbauernschaft (Landwirtschaftskammer) ein "Landesfachschaftsgruppenwalter" ernannt. Die neu eingerichteten Schäferlehrgänge verzeichneten einen großen Zulauf. 1935 nahmen 136 Personen daran teil!

1936 trat das neue Reichstierzuchtgesetz in Kraft, das mit seiner Körpflicht für alle Deckböcke und vielen flankierenden Vorschriften der Herdbuchzucht eine steile Aufwärtsentwicklung bescherte. Dem "Gesetz zur Förderung der Tierzucht" lag zwar auch der Gedanke der Vereinheitlichung bestehender Tierzuchtvorschriften zugrunde. Stark im Vordergrund stand jedoch das Ziel, die Bevölkerung so weitgehend wie möglich mit Erzeugnissen der heimischen Tierhaltung zu versorgen. Die Verbesserung der Futterverwertung, in der Schafhaltung auch die Verwertung von Futterabfällen, waren daher wichtige Ziele.

Der Staat regelte die Körung der Vatertiere ebenso wie, erforderlichenfalls, ihre Stationierung und die Kastration bzw. Schlachtung der nicht u. der abgekörten Vatertiere. Bei der Landesbauernschaft wurde ein Köramt mit Abteilungen für die 5 Tierarten eingerichtet, die heute auch noch bzw. wieder (Ziegen) vom Tzg. erfaßt sind. Cl. Thormählen wurde Vorsitzender der Abteilung D (Schafböcke) des Köramtes. Auf Kreisebene entstanden Körbezirke, die von 5 Tierzuchtämtern verwaltet wurden. Das Köramt berief Körkommissionen, die mit Neukörungen und jährlicher Wiedervorstellung der gekörten Vatertiere nicht wenig zu tun hatten. Das Reichstierzuchtgesetz bestand aus 5 enttäuschend mageren Paragraphen mit Definitionen und Ermächtigungen. Um so umfangreicher war aber die 1. Durchführungsverordnung des Reichsministers und die Körordnung des Köramtes S-H, die allerdings im wesentlichen 1. DVO-Vorschriften wiederholte. Die Durchführung des Tierzuchtgesetzes erforderte auch neue Arbeitskräfte beim LV, die Durchführung sonstiger Verbandsaufgaben außerdem eine bessere Ausstattung, wie z.B. Dias und Lehrfilme mit Vorführgerät für die Beratung. Die ab 1936 auf Sammelplätzen eingesetzte Badeanlage war allerdings vom Reichsverband ausgeliehen. Das 1937 erworbene 10 x 20m große Auktionszelt wurde von den Körbezirken und den Auktionsstädten mitfinanziert; bei der Beschaffung des für den Transport von Zelt und Badeanlge notwendigen Lastwagens wurde der LV vom Reichsverband unterstützt. Politische Entscheidungen sorgten 1937/38 übrigens für eine Erweiterung des Verbandsgebietes. Hamburg und das in S-H eingegliederte Lübeck kamen hinzu.

Die zahlenmäßige Entwicklung der Schafhaltung und der Schafzucht der 30er Jahre geht auch aus nachfolgender Tabelle eindrucksvoll hervor:

 

 

Schafe in S-H
Dez. gesamt

wbl. Herdb.-bzw.
Vorbuchtiere

Züchter

a. Auktionen verk. Böcke

1934

119.000

4.577

572

237

1935

134.900

6.053

752

275

1936

152.300

10.673

1.568

1.521

1937

164.800

13.191

2.109

1.910

1938

182.400

15.017

2.295

2.297

1939

192.900

15.899

2.384

2.592

 

Neben den schon geschilderten Maßnahmen ist als Ursache dafür auch eine vielfältige finanzielle Förderung zu nennen. So wurden z.B. Zinsverbilligungen für Darlehen gewährt, die für Schafstallbauten und Herdenaufstockungen verwendet wurden. Auch die schon erwähnten Schafbadekampagnen wurden bezuschußt. Für den Ankauf von Deckböcken wurden Beihilfen gewährt: Natürlich durften nur noch gekörte Böcke verwendet werden, und die konnte man praktisch nur auf einer Verbandsauktion erwerben! Hinzu kamen Festpreise für Fleisch und Wolle, sogenannte Vollschurprämien und eine deutlich verbesserte Ausbildung und Beratung der Schafhalter.

In den Kriegsjahren nahmen die Anzahl der Züchter, der eingetragenen Schafe und der verkauften Böcke wieder zu. Außerdem nutzte der LV in den ersten Kriegsjahren zusätzlich Möglichkeiten, Gebrauchsschafe in die sogenannten "Ostgebiete" zu verkaufen, wie es in den Geschäftsberichten heißt. Jedoch traten bereits 1939 Bahnversandprobleme auf. Truppentransporte gingen selbstverständlich Tiertransporten vor. Viele Schäfer wurden Soldat, trotz der Uk-Stellungsbemühungen des LV(Uk= unabkömmlich).
In etlichen Fällen konnten mit LV-Hilfe "Wirtschaftsurlaub" gewährt bzw. Ersatzkräfte beschafft werden. Dennoch mußten in vielen Fällen Kriegsgefangene die Herdenbetreuung übernehmen. Beträchtliche Erschwernisse dürften auch die Verdunkelungsvorschriften bereitet haben, auch wenn davon im LV-Geschäftsbericht (40/41) nur in Verbindung mit Schafschuren im Hamburger Schlachthof (vor der Schlachtung) die Rede war. Und nicht zuletzt dürften strickte Kraftstoffzuteilungen das Verbandsleben erschwert haben. Je knapper die Benzinrationen wurden, um so wichtiger wurde die rationelle Planung von Dienstfahrten und Verbandsveranstaltungen. Die große Zahl der Auktionsplätze war dadurch mit verursacht.
Von Störungen des Bürobetriebs wird - vom Einzug des Geschäftsführers zur Wehrmacht abgesehen - erst 1944 berichtet, als die LV- Geschäftsstelle nach Laboe verlegt werden mußte. Von dort kehrte sie erst 2 Jahre später nach Kiel zurück.

Die Bestandszunahmen im Krieg und in den ersten Jahren nach Kriegsende waren natürlich ganz wesentlich auf die Selbstversorgungsbemühungen der Schafhalter zurückzuführen, die außerdem zu einer deutlichen Vermehrung der Milchschafhalter u. der Milschafbestände führten. Ein besonderer Auktionsplatz - Heidgraben - wurde den Milchschafzüchtern jedoch erst 1946 zugestanden. Mit "Andienungspflicht" für alle nicht unmittelbar zur Schlachtung abgegebenen Schafe, mit Höchstpreisen und Mastprämien versuchte man das "Schwarzschlachten" und Wollehamstern einzudämmen. Trotzdem nahmen die Weidediebstähle weiter zu.

Maßnahmen zur Sicherstellung der Versorgung der Bevölkerung wurden nach dem Krieg bis 1948/49 fortgesetzt, ebenso die Kraftstoffrationierungen. Nach Kriegsende kamen Störungen des Postversandes hinzu. Viele Gebiete S-H´s durften wegen der Internierung deutscher Kriegsgefangener nicht bzw. nur mit Erlaubnisschein betreten werden. Räude und Leberegelbefall breiteten sich stark aus und forderten teilweise hohe Verluste, weil es, mehr noch als in den Kriegsjahren, an wirksamen Medikamenten fehlte. Und vor allem wurde das Ablieferungssoll - jährlich 30% des jeweiligen Schafbestandes - als sehr drückend empfunden. 1948/49 wurde über immer stärker zunehmende Schäden durch wilderde Hunde berichtet. Die Landesregierung verwies die Kreisverwaltungen diesbezüglich auf die zuständigen englischen Residenzoffiziere, an die sich Jagdberechtigte wegen dringend notwendiger Hundeabschüsse wenden konnten!

Die Auktionsumsätze waren vor der Währungsreform hoch. Sehr viele Tiere wurden zum "Stopppreis" (Höchstpreis, 1947 z.B. 700 DM) zugeschlagen. Die Folge waren Auktionsumsätze bis etwa 3 Mio R-Mark, die damals leider nicht mehr viel wert waren.

Als Folge der Währungsreform waren Gehälter, Porti u.a. zunächst nicht aufzubringen. Klagen über den Einsatz ungekörter Böcke nahmen zu. Die Schafhalter stritten sich mit der Wollverwertung über die weiter geltenden, mittlerweile aber viel zu niedrigen Festpreise für Wolle, während gleichzeitig deutlich anziehende Ab-Hof-Preise gezahlt wurden. Die Schafbestände gingen drastisch zurück. Fleisch und Wolle waren aus der Bewirtschaftung herausgenommen, Fleischprodukte und Textilien wieder frei käuflich. Auf den Auktionen fielen Preise und Tierumsätze schroff ab.

Die nachfolgende Tabelle - eine Fortsetzung der weiter oben dargestellten Vorkriegsentwicklung - verdeutlicht die zahlenmäßige Entwicklung von Beständen, Züchtern und Auktionsumsätzen im Kriegs- und Nachkriegsabschnitt.

 

 

Schafe in S-H Dez.,gesamt

weibl. Herdbuchtiere

Züchter

Aukt. Anzahl

verk. Böcke Ø Preis

1940

nicht ermittelt

17.131

2.589

2.381

124,-RM

1941

nicht ermittelt

17.388

2.789

2.712

138,- "

1942

nicht ermittelt

19.840

3.250

2.744

150,- "

1943

214.900

23.191

3.906

2.976

228,- "

1944

nicht ermittelt

25.364

4.061

2.346

236,- "

1945

184.700

25.946

4.329

2.754

357,- "

1946

173.500

28.045

4.672

4.214

493,- "

1947

163.900

29.187

5.664

4.268

651,- "

1948

182.500

27.554

5.715

3.556

166,-DM

1949

154.200

21.571

4.639

1.709

134,- "

 

 

Bemerkenswert an obiger Darstellung ist, daß der Gesamtbestand in S-H wesentlich früher
zurückging als der Zuchttierbestand, die Anzahl der Züchter und die Anzahl der verkauften Auktionsböcke. Alle drei lagen, verglichen mit heute gewohnten Größenordnungen, sehr hoch, was aber hauptsächlich auf die damaligen Umstände und Beschränkungen zurückzuführen ist.

Als man sich nach dem Kriege wieder etwas freier bewegen konnte - jedenfalls innerhalb der britisch verwalteten Besatzungszone - gründeten die dort ansässigen Schafzuchtverbände bereits im Nov. 1945 den "Zentralverband Deutscher Schafzüchter (brit. Zone)", vorwiegend um die Interessen der Schafzucht bei der Zonenbehörde wirksamer vertreten zu können. Vorsitzender des ZV wird Cl. Thormählen. Dieser ZV schloß sich aber bereits im Mai 1948 mit den Verbänden der französischen und amerikanischen Besatzungszone zur "Arbeitsgemeinschaft Deutscher Schafzuchtverbände" zusammen, deren Vorsitz bis Febr. 1950 ebenfalls Cl. Thormählen übernahm. Ihm folgte in diesem Amt der frühere Reichsverbandsvorsitzende Frh. v. Gumppenberg. Aus der ADS wurde 1952 dann die uns besser bekannte Vereinigung Deutscher Landesschafzuchtverbände (VDL). Auf Claus Thormählens Bemühungen ist wohl auch die Wiedergeburt der Deutschen Wollverwertung (DWV) im Jahre 1948 wesentlich zurückzuführen, deren Aufsichtsratsvorsitz er von 1948-1954 innehatte. Cl. Thormählen hatte aber nicht nur Einfluß auf die deutsche Schafzucht, sondern auch auf die gesamte schl.-h. Tierzucht insgesamt. So war er von 1957 bis 1966 als Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Schl.-Holst. Tierzüchter auch für drei Landestierschauen verantwortlich.

Die nächsten Jahrzehnte der Verbandsgeschichte sind kürzer darstellbar und auch von weniger prägnanten Ereignissen beeinflußt. In den 50er Jahren sind Hammel und Merzschafe noch wichtige Teile des Weidebesatzes, der in der Marsch durchweg aus Rindern und Schafen verschiedener Gattungen bestand. Die Deichschäfer verkauften hauptsächlich Magerlämmer, die im nächsten Frühjahr auf den Fettweiden der Marsch, mit etwa 60 kg, schlachtreif wurden. Bereits Anfang der 50er Jahre nahm aber auch das Interesse an einem verbesserten Schlachtkörperwert zu. Bei Schlachtlämmerexporten nach Frankreich und später nach Westberlin zeigte sich bald, daß Lämmer im Gewicht über 50 kg nicht gern mehr abgenommen wurden. Schwerere Tiere mußten in Hamburg verwertet werden. Der LV beteiligte sich an verschiedenen "DLG-Schlachtschauen", an Ausschlachtungsversuchen seitens der Uni Kiel und mehrmals auch an der 1. deutschen stationären Mast- und Schlachtleistungsprüfung in Kassel - Wilhelmshöhe - mit Hammeln! Sorgen bereiteten bereits 1953 Schaffleischimporte aus Argentinien. Die Bemühungen um Stützungskäufe durch die Einfuhr- und Vorratsstelle während des Weideabtriebs führten nur zu einem unzureichenden Teilerfolg, indem einige Jahre, 1956 z.B. 30.000, Schafe aus dem Markt genommen wurden.
Parasitosen und andere Krankheiten ließen sich wegen der besseren Versorgung mit Medikamenten wieder besser beherrschen. Seit der Verwendung von Jacutin und später Pecusanol hatte auch die Räude schnell ihre Schrecken verloren. Bade- und Wurmmittel konnten in den 50er (und 60er) Jahren, durch die DWV verbilligt, über den LV bezogen werden. 1957 erhielten die Platzschäfer neue Verträge wegen des Neuaufbaus der Bundeswehr. 1956 führte die DWV ihre erste Wollauktion in Neumünster durch, 1958 wurde - über den Grünen Plan - zum ersten Mal eine Wollqualitätsprämie durch den LV ausgezahlt, die in den ersten Jahren der Gewährung für S-H und Hamburg jeweils etwa 500.000 DM ausmachte.

Die Wollqualitätsprämie bescherte dem LV mehr Arbeitsplätze und eine größere Schlagkraft bei der Arbeitserledigung sowie Erleichterungen beim Beitragseinzug und bei der Mitgliederwerbung. Die in ´48 und ´49 erstmals durchgeführtenn Schwarzkopf-Eliteschauen verloren in den 50er Jahren schnell an Interesse, vor allem bei den Verbänden, die darin Nachteile für die eigenen Auktionen sahen. Das gleiche Schicksal war einer LV-Elite in Neumünster beschieden, die nur zwei mal, mit mäßigem Erfolg, durchgeführt wurde.

Die Durchführung der Leistungsprüfungen bereitete schon in den 50er Jahren gewisse Probleme. Die Ermittlung der 100-Tage-Gewichte der Lämmer wurde bereits 1953 wieder eingestellt. Die Feststellung der Wollqualität der Jährlingsvliese konnte nur nach Einsendung an die DWV durch diese ermittelt werden. Elektrische Schermaschinen erleichterten allerdings die Schurarbeit. In den 50er Jahren wurden verschiedene Leistungshüten und erste Lehrfahrten für LV- Mitglieder durchgeführt. Im Bericht von1960 wird das erste Schäferfest erwähnt.

Die 60er Jahre wurden vor allem durch die Aufnahme neuer Rassen ins Herdbuch geprägt. Nachdem schon seit 1956 durch Händlerunterstützung einzelne Texelböcke aus Holland in Gebrauchsschafherden deckten, kauften Volquard Volquardsen und Ingwer Paulsen, beide Sönke-Nissen-Koog, im Jahre 1960 vier belegte Texelschafe bei Alkmar in Holland. Der Ankauf erfolgte mit Verbandszustimmung, nachdem anläßlich einer Lehrfahrt im vorangegangenen Jahr holländische Texelzuchten besichtigt worden waren. Die Texelimporte - in erster Linie Zuchtböcke - wiederholten sich in verstärktem Maße in den nächsten Jahren. 1962 wurde nach Rücksprache mit dem Tierzuchtinstitut der Universität vereinbart, daß der Verfasser dieser Chronik nach Abschluß seiner Referendarausbildung Versuche zum Vergleich von Texel mit den vorhandenen Rassen durchführen sollte. Die Versuche und Untersuchungen begannen 1965 mit Mast- und Schlachtwert-Vergleichsprüfungen in der Lehr- und Versuchsanstalt für Viehhaltung in Sophienhof. Die Prüfungen wurden durch Erhebungen auf den Körplätzen, im Viehhandel und am Hamburger Schlachthof ergänzt. Daneben wurden andere Fragen in Versuchen geprüft, wie z.B. die Frage nach der richtigen Form der Mastleistungsprüfung - stationär oder auf der Weide; und im Zusammenhang damit auch vermutete Wechselwirkungen auf die Ergebnisse. Die Versuchsreihe wurde von Dr. Benthin (ebenfalls Tierzuchtinstitut der Uni Kiel) bis 1974 fortgesetzt, der vor allem prüfte, in welchem Ausmaß in der Eigenleistungsprüfung festgestellte Mastleistungen an die Nachkommen weitergegeben werden. Nachfolgend sollen einige interessante Ergebnisse aus den damaligen Versuchen und Untersuchungen, soweit sie auch heute noch von Bedeutung sind, stichwortartig wiedergegeben werden:

In der Stallmast haben Texellämmer und vor allem Texel x Weißkopf - Kreuzungen Tageszunahmen, die über Weißkopf, aber unter Schwarzkopf und Schwarzkopf - Kreuzungen liegen. Der Schlachtverlust liegt bei Texel typbedingt deutlich unter dem der anderen Gruppen. Höhere Lebendgewichts - Preise sind daher gerechtfertigt. Texel und Texel xWeißkopf - Kreuzungen haben eine bessere Fleischfülle und ein besseres Fleisch - Fett-Verhältnis als andere Gruppen. Weißkopflämmer weisen bei mittlerer Verfettung weniger Fleischfülle, Schwarzkopf und Schwarzkopf - Kreuzungslämmer bei mittlerer Fleischfülle durchweg einen zu hohen Verfettungsgrad auf. Alles in allem sind hinsichtlich ihrer Mastleistung und ihres Schlachtkörperwertes Weißkopf x Texel - Lämmer der Stufe F1 mindestens so gut wie reine Texel. Die Empfehlung zur Verwendung von mehr Texelböcken in der Landeszucht zur Verbesserung des Schlachtkörperwertes insbesondere der Exportlämmer konnte damit bestätigt werden.

Die Felduntersuchungen ergaben darüber hinaus, daß männliche Texellämmer 3 - 4 kg weniger Gewicht als Weißköpfe und Schwarzköpfe auf den Körplätzen aufweisen, daß die Schlachtreife beim Schlachtlämmerverkauf zu wenig beachtet wird - entsprechende Empfehlungen in Abhängigkeit von Geschlecht und Mastverfahren wurden gegeben - und daß der Schlachtkörperwert im Handel zu schlecht honoriert wird. Die Versuche zur Eigenleistungsprüfung auf Mastleistung ergaben u.a., daß Prüfungen auf der Weide wenig sinnvoll sind, weil dort zu viele, nicht ausschaltbare Umwelteinflüsse auftreten und weil wesentliche Wechselwirkungen zwischen Mastmethode (Stallmast oder Weidemast) und Prüfergebnissen nicht auftreten. Der Einsatz von eigenleistungsgeprüften Böcken mit besonders guten Tageszunahmen einerseits und besonders schlechten Tageszunahmen andererseits ergibt Unterschiede bei den Nachkommen von etwa 10 - 12g je Tier und Tag zwischen den beiden Niveaugruppen.

1963 erschienen die Texelschafe als "Weißköpfe im Texeltyp" zum ersten Mal in der Verbandsstatistik. 1965 folgte in Husum die erste Auktion ausschließlich für Texelböcke. Obwohl der Herdbuchanteil der Rasse noch gering war, spielten die Texelböcke bei der Körung und beim Auktionsverkauf schon eine beachtliche Rolle. 1970 erreichten die (bislang durchweg jüngeren) Texel erstmalig das Fruchtbarkeitsniveau der Weißköpfe und Schwarzköpfe. 1973 nahmen sie hinsichtlich des LV - Herdbuchanteils erstmalig Rang 1 ein, den sie bis heute auch ungefährdet gehalten haben. Mehr als 50% aller verkauften Böcke entfielen schon 1973 auf Texel.

Als Reaktion auf das sich immer mehr ausbreitende Texelschaf kauften verschiedene Weikopfzüchter Ende der 60er Jahre und vor allem in 1970 Böcke der Rasse "Berrichon du Cher" im Raum Bourges, Frankreich, die den Schlachkörperwert und die Stallhaltungseignung verbessern und die Brunstsaison bei Weißkopfschafen verlängern sollten. Vorreiter waren vor allem Hans Isenberg - Hasenkrug, und einige Züchter aus Südwestholstein.

Schwere Hammel, zu "kräftige Lämmer" und zu fette Schafe waren in den 60er Jahren auch in Hamburg nur noch schwer abzusetzen.
Weser - Ems und Hamburg suchten und kauften in S-H Gebrauchsschafe, die im Deich- bzw. Küstenschutz eingesetzt werden sollten. S-H´s Deichschafhaltung galt bei den anderen Küstenländern diesbezüglich als vorbildlich. Dagegen wurden den Flugplatz - Schäfern 1970 ihre Verträge gekündigt, soweit auf den Plätzen Düsenflugzeuge zum Einsatz kamen, die durch die vom Schafkot angelockten Vögel angeblich gefährdet werden können.

Die Anzahl der Bockauktionen wurde in den 60er Jahren drastisch von 12 auf 8 und schließlich auf 5 reduziert. 1970 waren auch Meldorf, Tönning und Niebüll nicht mehr dabei. Dazu hat der zunehmende, ausschließlich auf Husum konzentrierte Texelverkauf wesentlich mit beigetragen.

1965 verkaufte der LV sein Grundstück in Siethwende und erwarb dafür das heute noch im LV - Besitz befindliche Mietshaus Wilhelmspl. 6 in Kiel.

In die 70er Jahre fiel die Gründung des Landesamtes für Tierzucht in Kiel - Steenbek (1973). Damit wurde die ehemalige Tierzuchtabteilung der Landwirtschaftskammer selbständiges Landesamt. Die LV - Geschäftsstelle wurde ebenfalls von der Holstenstr. nach Steenbek verlegt. 1975 zog sie in das auch heute noch genutzte Gebäude um. Als Verbindungsgremium zwischen Verband einerseits und Landesamt sowie MELF andererseits diente ein "Fachbeirat für Schafzucht". Die Landwirtschaftskammer strich ihre Verbandsförderung. Dafür wurden die MELF - Zuschüsse etwas aufgestockt. Die Wollqualitätsprämie wurde weiter gezahlt, sie wurde jedoch laufend gekürzt. 1973 wurden z.B. statt der ursprünglichen 500.000 nur noch 210.000 DM zur Verfügung gestellt und zwar erstmalig vom Land. 1976 wurde diese Förderungsmaßnahme in eine "Bockhaltungsbeihilfe" umgewandelt, die im ersten Jahr 80.000 DM, im letzten Jahr (1983) noch 38.580 DM ausmachte. Seit 1984 hat der LV keine Zuschüsse an die Schafhalter mehr ausgezahlt.

 

Ein beträchtlicher Teil des Landesschafbestandes ist immer in Mitgliederhand gewesen. Nach Ermittlungen von 1975 hielten z.B. 1444 Mitglieder fast 91.000 Schafe, das waren damals rund 75% der amtlich gezählten Schafe im Land! Solche Ermittlungen sind später leider nicht wiederholt worden. Die Anzahl der LV - Mitglieder liegt in den letzten Jahren zwischen 1100 und 1200.

Vom 01.10. 1988 bis 31.12. 1990 und ab 1995 wird auch der Landesverband Schleswig - Holsteiner Ziegenzüchter vom LV - Personal in der LV - Geschäftsstelle mit betreut. Ob sich diese Maßnahme, die für beide Verbände Vorteile bringen kann, im zweiten Anlauf bewährt, muß die Entwicklung zeigen.

 

Seit 1976 gibt der Verband dreimal im Jahr ein eigenes Mitteilungsblatt "Der Schafhalter" heraus, das von vornherein als Ergänzung zur "Deutsche Schafzucht" gedacht war und sich zweifellos bewährt hat. Der Schafhalter erspart etliche Einladungen und Rundschreiben und sogar die früher recht zeitaufwendigen Jahresberichte. Zugleich werden die Mitglieder besser informiert.

 

Mit verschiedenen Maßnahmen wurde vor allem in den 70er und 80er Jahren versucht, die Schafhalterberatung zu verbessern. 1978 wurde z.B. ein "Schäferstammtisch" als ständige Gesprächsrunde ins Leben gerufen, der der Ergänzung und Aktualisierung von Beratungsunterlagen diente. 1979 folgte die Gründung des "Arbeitskreis Milchschafe im Landesverband". 1985 entstanden ein Arbeitskreis für Bezirksschafhalter und drei Arbeitskreise für Deichschafhaltung. 1983 sagte die Kieler Universität die Untersuchung der Produktionstechnik und der Wirtschaftlichkeit in schleswig -holsteinischen Schäfereien zu. Diese 1987 vorgelegte, auf LV - Initiative und Erhebungen in LV-Mitgliedsbetrieben zurückgehende Dissertation ist zum Teil als Bestätigung, z. T. als Erweiterung des Beratungsmaterials anzusehen. Der Vorlage dieser Arbeit folgte die Gründung eines von der Landwirtschaftskammer betreuten, vom Land bezuschußten Beratungsringes für Schafhalter. Auf LV-Initiative gehen auch die von der Landwirtschaftskammer im Bauernblatt ab 1984 veröffentlichten Preismeldungen für lebende Schlachtlämmer und -schafe zurück. Lebendpreise vom Hamburger Schlachtviehmarkt gab es schon seit Anfang der 70er Jahre nicht mehr. Schlachtkörperpreise waren und sind für die in S-H immer noch vorherrschende Abrechnung auf Lebendgewichtsbasis jedoch wenig geeignet.

 

1974 wurde als eine Maßnahme des EG - "Bergbauernprogramms" erstmalig eine Ausgleichszulage für benachteiligte Gebiete gezahlt, von der in S-H vor allem die Deichschafhalter an der Westküste profitieren. 1980 trat die EG - Schaffleischmarktordnung in Kraft, die den Schafhaltern einen Preisausgleich für die am Markt erlösbaren, für den Lebensunterhalt der Schäfer jedoch nicht mehr ausreichenden Lammfleischpreise gewährt. Indem diese Marktordnung praktisch keine preisstützenden Maßnahmen einsetzt, weicht sie von anderen damaligen landwirtschaftlichen Marktordnungen deutlich ab. Die Marktordnung soll Einkommenseinbrüche der europäischen Schafwirtschaft verhindern, die durch den unverzichtbaren Export von Industriegütern entstehen würden. Die jährlich an die Schafhalter ausgezahlte Mutterschafprämie stellt seitdem einen wichtigen Bestandteil des Deckungsbeitrages der Schafhaltung dar.

 

In 1975 diskutierten die LV-Schafzüchter zum ersten Mal ernsthaft über die Einführung einer Stationsprüfung auf Mastleistung und Schlachtkörperwert, die in einigen anderen Bundesländern schon seit etlichen Jahren durchgeführt wurde. 1976 wurden die Stationen Neu Ulrichstein und Eickelborn besucht, und 1977 erfolgte auf 52 Prüfplätzen der erste Durchlauf der Eigenleistungsprüfung in Futterkamp. Auf Schlachtkörperuntersuchungen wird verzichtet, weil S-H mit Texel und hinsichtlich Fleischfülle gut ausgestatteten Weiß- und Schwarzköpfen diesbezüglich einen Vorsprung vor anderen deutschen Zuchtgebieten hat. Etwas zu euphorisch, wie sich später zeigen sollte, wurden bald 150 Prüfplätze, 1979 sogar eine neue Prüfstation für Jungböcke in Ruhwinkel angepeilt, für die die nötigen Landesmittel schon bereitstanden. Daß es schließlich doch bei der bescheidenen Anfangskapazität geblieben ist, ist vor allem darauf zurückzuführen, daß die Züchter sich nicht bereiterklären wollten, eine entsprechende Prüfkapazität längerfristig auch auszulasten.

 

Wesentlich beeinflußt wird die schleswig - holsteinische Schafhaltung heute auch von Naturschutzmaßnahmen. Mit einem Vortrag des damaligen Naturschutzbeauftragten Prof. Dr. Knauer anläßlich der LV-Mitgliederversammlung 1983 über die Deichschafhaltung aus der Sicht des Naturschutzes begannen auch beim Landesverband Diskussionen über das Für und Wider und natürlich über die Nachteile von Naturschutzmaßnahmen für die Schafhaltung, die bis heute anhalten. Die "Referentenentwürfe" des Nationalparkgesetzes und seine Durchführung an den Außendeichen und im Vorland haben die LV-Arbeit der Jahre 1985 und 1986 sogar wesentlich mit geprägt. Der amtliche Naturschutz beeinträchtigt die Schafhaltung aber auch in vielen Gebieten außerhalb des Nationalparkes. Die Hauptursache des Konfliktes zwischen Naturschützern und Schafhaltern, der in den meisten anderen Bundesländern nicht in dieser Form existiert, ist in der Vernässung vieler bisher als Schafweide genutzter Gebiete zu sehen, die dem Ziel einer gesunden Schafhaltung zuwiderläuft. Die "Entweidung" des Deichvorlandes ist jedoch einer der schärfsten Eingriffe in die Schafhaltung. Sie reduziert die Anzahl der Deichschafhalter beträchtlich. Naturschutzmaßnahmen sorgen aber ebenso für einen deutlichen Rückgang der Bezirksschäfereien auf den Übungsplätzen der Bundeswehr. Sowie in den 60er und 70er Jahren die Arbeitskosten für einen Abbau der Gutsschäfereien sorgten, so ist es ab 1985 der amtliche Naturschutz, der den Schäferstand weiter dezimiert. Eine aus öffentlichen Mitteln bezuschußte Schafhaltung im Dienste des Naturschutzes und der Landschaftspflege ist dagegen weitgehend ein Wunschtraum der Schafhalter geblieben. Von einigen Vorzeigeobjekten abgesehen, gibt es dafür leider kein Geld.

Daß die Schafhaltung in Schleswig-Holstein im letzen Jahrzehnt dennoch deutlich zu- und nicht abgenommen hat, zeigt nachfolgende Tabelle

 

Schafhaltung und Schafzucht in S-H nach 1950

 

 

Schafe gesamt

LV

a.verk. Auktionsböcke

 

in S-H, Dez.

w. Herdb.-T.

Züchter

Anzahl

Ø Preis

1954

113.800

8998

2170

1350

168,-DM

1958

118.700

7878

1295

1250

192,- "

1962

112.800

6785

1029

1174

216,- "

1966

102.900

5724

913

1038

236,- "

1970

97.000

5859

792

757

301,- "

1974

113.200

5893

411*

922

430,- "

1978

121.200

5001

326

910

486,- "

1982

133.200

5517

407

879

507,- "

1986

183.800

7046

481

920

557,- "

1990

259.100

7781

477

822

469,- "

1994

226.300 (vorl.)

7417

402

818

556,- "

 

*ab 1974 wurden hier nur noch Züchter mit Herdb.-Schafen, davor Mitglieder der Herdbuchabteilung, auch ohne Schafe, erfaßt

 

Die Bestandszunahmen seit 1983 sind weit überwiegend auf die Einführung der Milchquoten zurückzuführen. Damit hat die Betriebsform bäuerliche Schafhaltung bzw. Koppelschafhaltung Zuwächse erhalten, die in 1990 zum höchsten Landesbestand dieses Jahrhunderts geführt haben! Die für die Milcherzeugung nicht mehr benötigten Flächen wurden zunächst überwiegend zum Aufbau bzw. zur Aufstockung bäuerlicher Schafhaltungen benutzt. In den letzten Jahren wurden dazu aber immer öfter auch Mutterkühe eingesetzt, die sehr lange als völlig unrentabel galten, heute aber relativ hoch bezuschußt werden. Seit 1990 sind die Schafbestände wieder etwas rückläufig. Dafür sind starke 1990 einsetzende Preiseinbrüche verantwortlich, die durch Zuschüsse nur zum Teil kompensiert werden. Neben dem sinkenden Preisniveau haben sich in den letzten zehn Jahren die Preisrelationen für Produkte der Schafhaltung weiter verschoben. Ein Schlachtschaf ist heute nicht mehr, sondern weniger wert als ein Schlachtlamm, und der Wollwert fällt bei einigen Rassen zeitweise unter den Schurlohn ab. Außerdem werden schwerere Schlachtlämmer, ohne zu fett zu sein, immer schwerer vermarktbar. Der über einjährige Hammel ist längst vom Markt verschwunden. 10 - 11 Monate alte Lämmer lassen sich im Januar oder Februar jedoch noch gut verkaufen. Im Lande haben die Schlachtungen deutlich zugenommen, vor allem seit die Firma Annuss 1982 die Schafschlachtung in Niebüll aufgenommen hat. Der Pariser Markt hat seine große Bedeutung für S-H verloren, weil sich das dortige Preisniveau unserem angeglichen hat. An der geringen Bedeutung der Direktvermarktung in S-H und der starken Ausrichtung der Erzeugung auf die Ansprüche des Handels hat sich in den letzten Jahrzehnten nichts geändert.

 

Die Schafzucht des LV ist in den letzten Jahren vor allem durch die Aufnahme von immer mehr Rassen ins Zuchtprogramm geprägt, auch solchen, die schwerer vermarktbare Lämmer produzieren. Die wichtigste neue Rasse des letzten Jahrzehnts ist zweifellos die Rasse Suffolk, die mit guten Leistungen aufwartet und sich relativ hohe Herdbuch- und Bockmarktanteile erobert hat.
Als letztes für den LV leider nicht unwichtiges Ereignis muß die schleswig-holsteinische ab 01.01. 1991 geltende "Tierzuchtreform" genannt werden, mit der das 1973 aufgebaute Landesamt für Tierzucht wieder aufgelöst und die Tierzucht in die Zuständigkeit der Landwirtschaftskammer zurückgegeben wurde. Damit ging eine 70 Jahre dauernde Periode zuende, in der ein Kammer- bzw. Landesbeamter dem Verband für Aufgaben der Geschäftsführung und Zuchtleitung unentgeltlich zur Verfügung stand. Der jetzige Gf / Zl ist zwar von den Kammer- bzw. Landesaufgaben befreit, muß aber vom LV besoldet werden.

 

Trotz des neuen ab 01.01. 1990 geltenden Tierzuchtgesetzes, das die allgemeine Körpflicht für Deckböcke aufhebt, hat der LV sich einen beachtlichen Kundenkreis für die auf den Auktionen angebotenen Zuchtböcke erhalten können, wie aus der letzten Tabelle auch ersichtlich ist. Hier kommt den Schafzüchtern die bereits zu Dr. Augustins Zeiten aufgebaute, von Züchtern oft kritisierte Strategie zustatten, nach der gekörte Lammböcke für Gebrauchsschafhalter mit kleineren Herden preislich nicht zu weit über dem Schlachtlämmerpreis liegen dürfen. Die Umsätze der LV-Auktionen bilden eine wichtige Einnahmequelle - auch für den Verband. Die besten Auktionen der neueren Zeit wurden im Jahre 1988 registriert, als für 1252 auf den Auktionen verkaufte Böcke und Schafe Ï 622,- DM bezahlt wurden! Gute Auktionen sind leider nicht in erster Linie auf die Qualität und die Popularität eines Auktionators wie Hargens oder Peters zurückzuführen, sondern haben natürlich gravierendere Ursachen.

 

Auch die künftige LV-Arbeit wird von äußeren Einflüssen wie Marktverläufen und neuen Vorschriften erheblich mit bestimmt werden, wie z.B dem neuerdings von jedem Schafhalter zu führenden Bestandsverzeichnis, von den sich abzeichnenden umfangreichen Pflichten der Tierkennzeichnung in allen Schafhaltungen und den neuen Auflagen zur Brucelloseuntersuchung. Der Verband wird angesichts stagnierender bis rückläufiger Zuschüsse immer aufs Neue prüfen müssen, ob die von den Mitgliedern noch bezahlbaren Arbeitskräfte sinnvoll eingesetzt sind, ohne daß die Freude an der täglichen Arbeit dabei verlorengehen darf, die die Verbandsarbeit wohl immer ausgezeichnet hat! Ebenso wichtig ist natürlich der Umgang mit den Mitgliedern, insbesondere den Gebrauchsschafhaltern, die den LV finanziell mit tragen. Ein Schafzuchtverband nur für die Züchter wäre als eigenständiger Verband nicht lebensfähig und hätte auch wenig Sinn. Das gilt heute ebenso wie 1920. Es bleibt daher zu hoffen, daß die schleswig-holsteinischen Schafhalter und die Verbandsführung dies immer erkennen und soweit möglich danach handeln. In diesem Sinne wünscht der Verfasser dem LV alles Gute - zunächst für die kommenden 25 Jahre!

 

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